Reime von der Leine: HipHop-Kultur im Dock 4

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Ein Allrounder: Tim Taylor inmitten seiner Kunstwerke. Foto: Zgoll

Kassel. Es roch nach Lack und Farbe, als man am Samstagabend den Innenhof des Dock 4 betrat. Eine 15 Meter frei besprühbare Holzplattenwand hatte die gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Kreativität junger Menschen „Bunte Wege“ in Kooperation mit dem Kulturhaus in der Unteren Karlsstraße für diesen Tag zum besseren Verständnis der HipHop-Kultur zur Verfügung gestellt. Graffiti-Workshops, Rapkurse, Konzerte, eine Kunstausstellung - wer sich einmal jenseits vom testosterongesteuerten Gangsterrap und kommerziellen Reißbrett-HipHop schlaumachen wollte, was sich hinter den Kulissen des kreativen Undergrounds so tut, der wurde bestens informiert.

Mit dem in der Nähe von Kassel wohnenden Reimguru und Kunststudenten Tim Taylor konnte man einen vielseitigen Vertreter des detailverliebten Poetry-Raps gewinnen, der nicht nur mit seinem fulminanten Bühnenauftritt die 150 HipHop-Fans zu begeistern wusste. Die Ausstellung seiner Objekte und Bilder zeigt einen 32-jährigen Allrounder, der, thematisch breit aufgestellt, sich dem Mainstream weder aufdrängen noch entziehen möchte.

Verstörende Motive und skurrilen Realismus verpackt er in fröhliche Farbkompositionen und überlässt dem Betrachter die emotionale Gewichtung. Während man parterre durch die Ausstellung schlenderte, holte im Basement eine bunte Schar deutscher Wortakrobaten die wildesten Reime von der Leine. Unter dem Motto „Kein Scheiß“ präsentierten die Veranstalter an diesem Abend ein abwechslungsreiches Line-up. Die Hamburger Optimackz & G-Shock, Gris aus Berlin und der Göttinger Paspatu zogen langsam die auf dem ganzen Gelände verstreute Gemeinde vor die Bühne und sorgten für gute Partystimmung. Leider erreichte man noch nicht das Publikum, welches man sich erhofft hatte: Die im HipHop so präsente Gruppe der Migranten und das genrefremde Klientel, das dieses Schnupperangebot noch nicht für sich entdeckte. Doch das Dock 4 zeigt sich willens, diesen Bereich der Jugendkultur demnächst stärker zu fokussieren.

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