Sommer-Sinfonie: Das spanische Jugendorchester triumphierte

Reinste Spielfreude

Bald Chefdirigent in Barcelona: Pablo González leitete das spanische Jugendorchester umsichtig und präzise. Foto: Socher

Kassel. Das Publikum feierte das Orchester, das Orchester feierte den Dirigenten und sich selbst, der Dirigent feierte sein Orchester. Beste Stimmung also beim Gastkonzert der „Jonde“, der Joven Orquesta Nacional de España, am Mittwochabend beim Kultursommer in der Stadthalle. Und dies alles mit großer Berechtigung, denn mit den hundert jungen Musikern aus Spanien stellte sich ein Orchester vor, das Großes leisten kann und auch leistete.

Es gehört zum guten Ton solcher Auswärtsspiele, dass Stücke aus der Heimat mitgebracht werden. So auch hier gleich zwei unbekannte Schätzchen. In „Tiento del primer tono y batalla imperial“ spielt Cristóbal Halffter mit Renaissancemusik und gibt dem gewaltigen Orchester Gelegenheit, wie eine Tapa Appetit auf mehr zu machen. Schon hier herrschte unter der Leitung von Pablo González die reinste Spielfreude.

Da war es zum reißerischen „Don Juan“ von Richard Strauss nur noch ein kleiner Schritt, und dieses beliebte, farbenreiche Werk über den philosophischen Wüstling ergab kein Problem für die Spanier. Einsätze stimmten, Soli saßen, Steigerungen, Schattierungen, Tempi, alles passte.

Nach der Pause dann ein Zehnminutenschauspiel. Durch ihre umwerfende Bühnenpräsenz zog die andalusische Mezzosopranistin Magdalena Llamas die Blicke auf sich und auch die Ohren, denn ihre schön, feinherb timbrierte Stimme, die sie an den fünf karibisch inspirierten „Canciones negras“ des Katalanen Xavier Montsalvatge vorführte, hatte Verführungspotenzial.

In die Welt der Puppen entführten die Spanier dann mit Igor Strawinskys Ballettsuite „Petruschka“. Das diffizile Stück mit seinen vielen Finessen und heiklen Solostellen gelang ebenso wie alles zuvor dank der überaus umsichtigen und bis ins kleinste Detail präzisen Stabführung des erst 35-jährigen Pablo González, der in der neuen Saison Chefdirigent der Orquestra Simfònica de Barcelona i Nacional de Catalunya werden wird.

Zwei Zugaben ließ sich das Orchester im Abschlusskonzert ihrer kleinen Tournee mit vier Konzerten entlocken: einen fetzigen Pasodoble von Jaume Texidor und eine Kurzfassung des anfangs gespielten Halffter-Stücks.

Samstag, 14. August: Nordhessische Orchester spielen u.a. Haydn, Schubert und ein Musical-Potpourri. Sonntag, 15. August: Youth State Orchestra of Armenia. Beginn: jeweils 19.30 Uhr, Stadthalle. Inhaber der HNA-Abo-Bonuscard zahlen nur 5 Euro Eintritt.

Von Johannes Mundry

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