Farbenprächtiges Kasseler Sinfoniekonzert mit Antony Hermus und Katarzyna Mycka

Reise in einen Zaubergarten

Dirigent: Antony Hermus. Fotos:  nh

KASSEL. Das Staatsorchester brillierte mit einem Geniestreich des jungen Strawinsky, und zuvor brachte eine Meisterin ihres Faches die Marimba zum Erklingen: So kann man zusammenfassen, was sich beim jüngsten Kasseler Sinfoniekonzert in der fast vollen Stadthalle alles ereignete.

Zwei musikalische Gäste waren nach Kassel gekommen: die Marimba-Virtuosin Katarzyna Mycka, eine Stuttgarterin mit polnischen Wurzeln, und der niederländische Dirigent Antony Hermus, seines Zeichens Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater Dessau.

Neuer Eindruck

Zum Auftakt präsentierte Katarzyna Mycka die Uraufführung ihrer eigenen Bearbeitung von Bachs Cembalokonzert d-Moll BWV 1052. Ein ganz neuer Eindruck: Warmer, holziger Klang anstelle von hellen Silbertönen. Keine Frage: Die feine Anschlagstechnik machte die Klasse der Topmusikerin deutlich. Manches Detail, auch im Zusammenspiel mit den Streichern, wirkte jedoch irritierend, sodass das darauf folgende Originalwerk für Marimba und Orchester stärker überzeugte.

Die „Prism Rhapsody“ der Japanerin Keiko Abe erwies sich als buntes Gebilde, tönte mal dissonant, mal lyrisch, mal nach Hollywood-Bombast. Mycka zeigte ihre ganze Virtuosität, spielte fulminant gegen Klangmassen an. Für den Jubel bedankte sie sich mit Astor Piazzollas „Libertango“ im Arrangement von Eric Sammut.

Den Höhepunkt setzte aber das Staatsorchester, als es in einen Zaubergarten der russischen Musik führte. Nach der Pause erklang Igor Strawinskys Ballettmusik „Der Feuervogel“ – und die war großartig gespielt.

Antony Hermus dirigierte präzise und reaktionsschnell, leuchtete mit den Musikern den Reichtum dieser Wunderpartitur aus. Das klang geheimnisvoll impressionistisch, das bot Effekte wie das berühmte Flageolett-Glissando in der Introduktion, und das entfaltete auch grandiose dynamische Aufschwünge.

Vor allem aber begeisterte die Vielzahl an tollen Soli - stellvertretend für alle sei die Hornistin Susanne Lorenz genannt. Das Publikum belohnte die hohe Klangkultur des Orchesters mit Riesenbeifall.

Von Georg Pepl

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