Die kommerziell erfolgreichste Rockband der Welt: Heute erscheint das neue Album von Coldplay

Reise ins Gute-Laune-Land

Sie sind Coldplay: Jonny Buckland, Chris Martin, Will Champion und Guy Berryman. Foto:  SArah Lee/ nh

Man hört die elf neuen Lieder einmal, man hört sie ein zweites Mal. Dabei ist im Grunde schon nach einer Minute Spielzeit klar, wohin die Reise auf dem heute erscheinenden Album von Coldplay geht. „Mylo Xyloto“ führt ins Gute-Laune-Land. „Hurts like Heaven“, der erste Song, klingt zunächst, als laufe er in einer zu hohen Geschwindigkeit - so beschleunigt und fidel hüpfen einem Chris Martin, Jonny Buckland, Will Champion und Guy Berryman entgegen.

Die Stimmung zieht sich durch die Platte. Dudelsäcke ertönen, überhaupt verbreiten viele Stücke, etwa das auf Flöte und Mandoline basierende „U.F.O.“, eine irgendwie irische Trinkstimmung. „Mylo Xyloto“ macht Spaß.

Die Songs sind nicht mehr so introvertiert wie zu Anfang dieser Laufbahn, die 1996 im University College London begann und vier Jahre später das erste Album „Parachutes“ hervorbrachte. Später taten sich Coldplay mit dem Soundmagier Brian Eno zusammen. Erstes Ergebnis war das überambitionierte Konzeptwerk „Viva La Vida Or Death And All His Friends“, von dem nur der Titelsong im Kopf geblieben ist.

Auf „Mylo Xyloto“ fungiert abermals Eno als Chefproduzent, aber der Ansatz ist ein anderer. Die Band hat sich - bei allem Ehrgeiz, den sie trotz ihrer studentischen Attitüde natürlich hat - befreit und macht einfach Musik. Ein Hauch von HipHop umweht „Paradise“ mit seinem „Ohohoho“-Refrain, außerdem gibt es darin einen Ausschnitt aus „Another Day in Paradise“ von Phil Collins. So lange ist es ja noch nicht her, dass Coldplay - wie Collins - ziemlich gehasst wurden. Es galt als chic, über die Band zu lästern. Zuviel Gutmenschentum, zuviel Durchschnitt, zuviel Kleinstergemeinsamernenner. Coldplay standen im Ruf, das Gegenteil von Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll zu verkörpern.

Der Spagat zwischen Understatement und Selbstbewusstsein ist den Männern nicht fremd. Für die Musikindustrie und speziell für ihre Plattenfirma Emi sind Coldplay eines der größten Themen. Das Vermögen der vier Mittdreißiger soll jeweils etwa 35 Millionen Euro betragen. Sie haben bisher mehr als 50 Millionen Alben verkauft.

Coldplay laufen musikalisch nicht vor ihrer Rolle davon. „Charlie Brown“, „Don’t Let It Break Your Heart“ oder „Up With The Birds“ sind breit aufgebaute, symphonische, orchestrale und gelegentlich auch überkandidelte Songdramen. „Princess of China“, das Duett mit Rihanna, wirkt kalkuliert, auch wenn sich die Pop-Domina hier so gut anhört wie lange nicht.

Und wenn Chris Martin in „Us against the World“, dem schönsten Song der Platte, mit ungewohnt tiefer und kehliger Stimme über zwei Menschen singt, die ihre Liebe füreinander siegen lassen, fällt es schwer, nicht gerührt zu sein.

Coldplay: Mylo Xyloto (Emi), Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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