US-Sängerin Janelle Monáe verbindet auf ihrem Debüt meisterhaft R’n’B, Funk und HipHop

Reise ins 28. Jahrhundert

Alles ist künstlich, ihr Debütalbum aber dennoch sehr persönlich: Die 24-jährige Musikerin Janelle Monáe. Foto: Warner

Bitte nicht noch ein Pop-Clown wie Lady Gaga. Eine Sängerin, die in Kostüme schlüpft, ihre Haare à la Marge Simpson stylt und Authentizität ablehnt. Das mag man denken, wenn man Janelle Monáe auf dem Cover ihres Debüts „The ArchAndroid“ sieht: eine junge Frau mit Rüstung und einem goldenen Helm, bestehend aus Hochhäusern. Aha.

Doch Janelle Monáe ist anders - und darin ganz groß: Gerade 24-jährig, legt sie mehr als nur eine weitere R-’n’-B-Platte hin. „The ArchAndroid“ ist ein Konzept-Album: Angelehnt an Fritz Langs Stummfilm „Metropolis“ erzählt Monaé die Geschichte der Kunstfigur Cindy Mayweather, ein Android aus dem Metropolis des 28. Jahrhunderts, geschaffen aus der DNA von Janelle Monáe. In Metropolis verliebt sich das Wesen in einen Menschen und bewahrt damit die Gesellschaft aus Robotern und Humanoiden vor dem Untergang.

Ironischerweise spielen dazu keine Elektro-Beats, sondern eine Mischung aus energetischem Funk, wummerndem HipHop, Rock, Swing und Varieté, zwischen denen die 1,50 Meter große Frau gekonnt hin und her springt. Die Beine zucken schon beim Zuhören. Dazu derwischartige Tanzeinlagen einer Frau, die die Wiedergeburt von James Brown in einem Marlene-Dietrich-Smoking zu sein scheint.

Trotz aller Künstlichkeit ist es ein sehr persönliches Debüt, denn die Welt, die sie beschreibt, kennt Monáe gut: Aufgewachsen ist die 24-Jährige, die mit bürgerlichem Namen Janelle Robinson heißt, in einem ärmlichen Teil von Kansas City. Der Vater Müllmann, die Mutter Putzfrau. Sie sah, was man dort eben sieht: Prostitution, Drogenhandel. Genügend, dem sie in ihrer Fantasie entkommen musste. Und später räumlich: Monáe ging zum Studieren nach New York an die American Musical and Dramatics Academy, brach aber ab.

„Ich bin eine Forscherin, deswegen habe ich die Schule verlassen, um nicht zu sehr von standardisierten Lehren beeinflusst zu werden“, sagt sie. In Atlanta geriet sie in den Dunstkreis von OutKast-Mitglied Big Boi. Sean „Diddy“ Combs nahm Notiz und sie unter Vertrag, das Publikum findet Gefallen: Die erste EP „Metropolis Suite I“ wird für den Grammy nominiert. Ein modernes Märchen.

Märchenhaft sind auch die Outfits: Monáe tritt hochgeschlossen auf, Anzug, weißes Hemd mit Manschettenknöpfen und schwarz-weißen Schuhen aus den Fünfzigern, dazu eine Haartolle - so viel Stil hat derzeit keiner unter den Popstars. Nicht mal alle zusammen.

Das Publikum honoriert den maskulinen Mode-Stil, auch wenn sich das Gerücht hält, Monáe sei lesbisch. Sie schweigt. Allenfalls so viel: Sie gehe nur mit Androiden ins Bett. Wer ihre Musik hört, glaubt’s. Janelle Monáe: The ArchAndroid (Warner). Wertung: !!!!!

Von Tatjana Braun

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