Reißer und Klangteppiche: Das Kasseler Uni-Orchester spielte Filmmusik

Malte Steinsiek

Kassel. Film ab für das Sinfonieorchester der Uni Kassel. In den beiden Semesterabschlusskonzerten am Freitag und Samstag in der Friedenskirche stand Filmmusik auf dem Programm.

Eines der vier Werke aus dem 20. Jahrhundert, das „Warschauer Konzert“ von Richard Addinsell aus dem Film „Dangerous Moonlight“, ist ein Wunschkonzertschlager. Hellmuth Vivell spielte den virtuosen, schwülstigen Klavierpart sicher und mit einem Lächeln über die Schwierigkeiten, die ihm nichts anhaben konnten.

Drei unbekannte sinfonische Werke umrahmten diesen Reißer. Zu Beginn spielte das Uni-Orchester eine Suite von William Walton zum Film „Richard III.“ (1955). Hübsche, charaktervolle Miniaturen sind dies, anspruchsvoll für alle Instrumentengruppen.

Malte Steinsiek leitete mit ruhiger Hand, kleine Gesten reichten meist für die allerletzten dynamischen Korrekturen. Vor der Pause gab es es dann noch den langsamen Satz aus der 2. Sinfonie des Amerikaners Howard Hanson, der 1979 im Film „Alien“ verwendet wurde.

Der zweite Teil des Konzerts war vier Sätzen aus der Suite zum Film „Ein Jahr wie ein Leben“ (1965) vorbehalten. Dimitri Schostakowitsch hatte den Auftrag bekommen, die Musik zu diesem Streifen zu komponieren, der die entscheidende Zeit aus dem Leben von Karl Marx zum Thema hat.

Neben einem nicht konzerttauglichen langsamen Satz waren drei farbenreiche schnelle Stücke zu hören, die zwischen martialischen und lyrischen Klangteppichen wechselten. Mit dem Ausruf „Das ist ja Wahnsinn“ verließ eine ältere Zuhörerin die Kirche.

Das Orchester, das ja im kurzen Sommersemester nur eine geringe Zahl an Proben hatte, bewältigte alle Schwierigkeiten sehr gut und ließ sich von Steinsiek zu einer reifen Ensembleleistung animieren. Der üppige Beifall des Publikums war den fast 70 Studentinnen und Studenten, Uni-Angehörigen und Gästen und ihrem Leiter gewiss.

Von Johannes Mundry

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