Die Kammeroper Kassel führt am Sonntag Duke Ellingtons „Sacred Concert“ erstmals in der Fuldametropole auf

Das religiöse Vermächtnis einer Jazz-Legende

Sylvia Cordes

Kassel. Es ist nicht nur in Zahlen das größte Projekt, das die Kammeroper Kassel seit ihrer Gründung 2008 stemmt: Am Sonntag wird in der Kreuzkirche Duke Ellingtons (1899-1974) Jazz-Oratorium „Sacred Concert“ aufgeführt.

Drei dieser geistlichen Konzerte hat die Jazzlegende in seinem letzten Lebensjahrzehnt zwischen 1965 und 1973 geschrieben. Ellington selbst nannte sie „das Wichtigste, was ich je gemacht habe“. Allerdings gibt es über diese Konzerte kaum Aufzeichnungen.

Zwei dänische Jazzmusiker, John Høybye und Peder Pedersen, haben 1993 aus dem gesamten Material ein einziges Konzert geformt und dazu die Arrangements geschrieben. In dieser Fassung wird das „Sacred Concert“ auch in Kassel präsentiert.

Høybye und Pedersen machten dabei den Chor zum gleichwertigen Partner der Bigband. So bildet diese Musik eine Brücke zwischen der amerikanischen Swingtradition und der europäisch geprägten Kirchenmusik.

Den instrumentalen Part der Kasseler Aufführung übernimmt die Aschaffenburger Jazz-Bigband mit ihrem Leiter, dem Saxofonisten Peter Linhart. Er hat mit Jazzgrößen wie Charlie Mariano und Peter Herbholzheimer gespielt. Und er hat denkwürdige Aufführungen des „Sacred Concert“ geleitet.

Den vokalen Part übernehmen zwei Chöre aus der Region, die Kantorei des Kirchenkreises Twiste und die Kantorei Eschwege, unter der Leitung des Bad Arolser Kantors Jan Knobbe. Die beiden Ellington-erfahrenen Chöre vereinen 120 Stimmen. Der Solo-Gesangspart wird von der Kasseler Sopranistin Sylvia Cordes gestaltet.

Einen überwältigenden musikalischen Abend der großen Gefühle wollen die Mitwirkenden den Zuhörern in der Kreuzkirche bescheren. Und ein Konzert, das alle Menschen anspricht. Duke Ellington hat sein religiöses Bekenntnis in eine Musiksprache gefasst, die über die Genregrenzen hinweg die Zuhörer anspricht.

Für das Kasseler Publikum ist es die bisher erste Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Werk.

Sonntag, 18 Uhr, Kreuzkirche, Luisenstraße 13-15. Vorverkauf: Bauer & Hieber, Ständeplatz 13, Tel. 0561-91 888 61, Kartentelefon: 0152-290 512 23. www.kammeroper-kassel.de

Von Werner Fritsch

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