Retter mit dem Sprachfehler

Comedian Paul Panzer in der Kasseler Stadthalle

Charmante Lautbildung: Paul Panzer bei seinem Auftritt in Kassel. Foto:  Malmus

Kassel. Im spärlichen Bühnenlicht ist der Bug eines Schiffswracks zu erkennen. Um ihn herum: Seesäcke, Netze und Seekisten. Plötzlich schallt am Samstag eine gruselige Stimme durch die ausverkaufte Kasseler Stadthalle.

Untermalt von Sturm- und Gewitterlärm, klingt sie, als sei sie dem Schlund eines grollenden Klabautermanns entstiegen.

Doch der Retter naht sogleich. Er trägt Blümchenhemd und Brille. Wenn er „Katche“ sagt, meint er Katze, wenn er „Kienezze“ sagt, Chinese und immer wenn er an diesem Abend „Katzel“ sagt, meint er Kassel.

Der Fleisch gewordene Sprachfehler Paul Panzer alias Dieter Paul Tappert ist da. Um die Welt zu retten, ist er derzeit mit seinem Programm „Hart backbord“ unterwegs und schimpft auf alles, was „so nicht weitergehen kann“. Das Kasseler Publikum schloss seinen Retter sofort ins Herz und hörte kaum mehr auf zu lachen.

Inhaltlich sind Panzers Themen alles andere als komisch: Umweltzerstörung, Ozonschicht, Sprachverfall, Finanzkrise – Standardprogramm in Kabarett und Comedy. Obwohl Tollpatsch Panzer sie mit Zischlaut durch die Zähne presst – man kann ihm nicht absprechen, dass er sich tatsächlich betroffen fühlt.

Würde Tappert seiner Figur den Sprachfehler nehmen, sein Programm ginge als ansprechendes Kabarettprogramm durch. Aber wer wollte das schon? Dann spricht Paul Panzer von der „Ottzonnschicht“, die auch hier in „Katzel kaputtgeht“, weil seine Hilde immer noch „Haschspray“ benutzt. Er denkt an „die Millionen Liter Öl“, die ins Meer fließen, und fragt sich, „wie viel Treuepunkte“ es dafür gäbe. Er erzählt vom Fluch des „Platzdick“, nicht ohne zu erwähnen, dass er schon mal zum „Mister Tupper gewählt wurde“.

Schließlich stellt er klar, dass die meisten Jugendlichen heute so „träge und undeutlich sprechen“, als haben sie vom „Dachlattenmann was auf den Mund bekommen“. So rettet er zwar nicht die Welt, sorgt aber dafür, dass wir zumindest lachend mit ihr untergehen.

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