Wallenberg-Ausstellung im Evangelischen Forum

Rettung vor dem Tod

Diplomat als Retter: Raoul Wallenberg. Foto: picture-alliance

Kassel. Manchmal ist die Erklärung, warum Menschen nicht wegsahen, sich mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten nicht abfanden, ganz einfach. „Ich hatte den Anblick von Menschen, die fortgetrieben wurden wie Tiere, einfach nicht ertragen“, wird der Italiener Giorgio Perlasca in der Wanderausstellung „Lichter in der Finsternis“ des Richters und Autors Christoph Gann über Leid und Rettung ungarischer Juden zitiert, die zurzeit im Evangelischen Forum Station macht.

Perlasca ist einer der unbekannten Helden (obwohl er sich nicht so sah), der ungarische Juden vor der Deportation rettete. Als Mitarbeiter einer Import-Export-Firma ließ er sich einen spanischen Diplomatenpass ausstellen und stattete Juden mit Schutzpässen aus - nach dem Vorbild des schwedischen Botschaftsgesandten Raoul Wallenberg, der eigentlich Banker und Kaufmann war und von seiner Regierung, finanziert von den USA, beauftragt wurde, in Budapest so viele Juden vor dem Tod zu retten wie irgend möglich: Es waren Tausende.

Wallenberg erfüllte seinen Auftrag tatkräftig, unermüdlich und vor allem durch sein couragiertes Auftreten gegenüber den ungarischen Behörden, manchmal im allerletzten Moment. „Er zeigte uns, dass wir keine Tiere waren, dass sich jemand um uns kümmerte“, berichtete eine Überlebende, um „jeden Einzelnen von uns“. Am 17. Oktober 1944 schrieb Wallenberg an seine Mutter, seine Rückreise nach Kriegsende werde wohl „sehr lange dauern“. Wallenberg sollte nie zurückkehren. Er wurde nach dem Einmarsch der Sowjet-Soldaten verschleppt und mutmaßlich 1947 in Moskau erschossen.

Bis 12.5., Ev. Forum, Lutherplatz, Mo-Fr 18-19.30 Uhr, Führungen n. V., Tel. 0561/2876021.

Von Mark-Christian von Busse

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