Mit Werken von Andy Warhol

Revolution in Dosen: Pop-Art-Ausstellung in der Kasseler Neuen Galerie

Populäre Kunst: Eduardo Paolozzis Collage „Secrets of Internal Combustion Engine“ (oben, 1967), ein Fuß von Tom Wesselmann (1968) und Andy Warhols’ Porträt von Joseph Beuys (1980). Fotos: mhk

Kassel. So bunt war es selten in der Kasseler Neuen Galerie. Die sehenswerte neue Ausstellung „Flash! Pop Art“ blickt auf die Kunstrevolution der 50er- und 60er-Jahre. Wir erklären, warum die ab heute zu sehende Schau mit 167 Exponaten von Stars wie Andy Warhol, Eduardo Paolozzi und Christo flasht, wie der Titel andeutet.

1.  Pop Art ist aktueller denn je. Das sagt Dorothee Gerkens, Leiterin der Neuen Galerie, die die Ausstellung zusammengestellt hat. Der Großteil der Drucke, Gemälde und Objekte stammt aus Beständen der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK). Pop Art, sagt Gerkens, ist „nicht so trivial, wie es scheint“. Vor allem die Medienkritik von Künstlern wie Tom Wesselmann passt in die heutige Zeit.

2. Pop Art war eine Revolution. In den 50ern war Kunst abstrakt. Und dann kam jemand wie Eduardo Paolozzi, der Collagen aus Zeitschriften, Werbung und Comics anfertigte. Die Künstlervereinigung Independent Group, die der Schotte 1952 in London mitbegründete, gilt als Wiege der Pop Art. Die neue Kunst war simpel, grell und manchmal eben nur eine Suppendose wie die von Warhol. „Die Grenze zwischen Kunst und Konsum wurde eingerissen“, sagt Gerkens.

3. Pop Art ist Medienkritik. Zum ersten Mal fragten Künstler, wie Massenmedien unsere Wirklichkeit beeinflussen. Ein schönes Beispiel dafür ist Warhols Plakatserie zum Attentat auf John F. Kennedy. Die Siebdrucke zeigen den US-Präsidenten, seine Frau Jackie, den Attentäter Lee Harvey Oswald und Filmklappen. Warhol bewunderte Kennedy, prangerte aber die Vermarktung seines Images durch die Medien an. Darauf spielt „Flash“ (Blitzlicht) im Titel der Schau an.

4.  Pop Art ist auch in Kassel groß geworden. „Die documenta hat großen Anteil an der Entwicklung der Pop Art“, sagt Bernd Küster. Der MHK-Chef sah 1968 als Besucher der documenta 4, wie nicht mehr abstrakte Kunst im Mittelpunkt stand, sondern Warhols Porträtreihe von Marilyn Monroe sowie junge Künstler wie Roy Lichtenstein und Christo.

5.  Pop Art ist ironisch. Claes Oldenburg macht aus Alltäglichem Monumentales - wie etwa die riesige Spitzhacke an der Fulda in Kassel. Die Neue Galerie zeigt seine Skulptur „London Knees“: zwei Knie, die sich der Künstler bei einer Schaufensterpuppe abgeschaut hat. Dazu fertigte Oldenburg Illustrationen für eine Brücke in London an, deren Pfeiler eben diese Knie sind. Die Briten haben den Plan nie umgesetzt. Komisch: Sie haben doch sonst so viel Humor.

„Flash! Pop Art“. Neue Galerie Kassel, Schöne Aussicht 1. Bis 15. Februar. Di-So und Feiertage 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr.

Von Matthias Lohr

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