Die Anarcho-Band Chumbawamba betreibt lustiges Infotainment im Schlachthof

Die Revolution kommt leise

Sang böse Hymnen auf Margaret Thatcher und Metallica: Chumbawamba-Frontmann Boff Whalley im Schlachthof. Foto: Schoelzchen

Kassel. Dieser Trick müsste jedem marktradikalen Politiker gefallen. Beim Konzert im Kasseler Schlachthof verkaufte die englische Anarcho-Band Chumbawamba ihre EP „In Memorium, Margaret Thatcher“. Die Abschieds-CD für die ehemamalige britische Premierministerin konnte man schon kaufen - in Händen halten wird man sie jedoch erst, wenn die Eiserne Lady, die von allen Linken auf der Insel gehasst wird, gestorben ist. „Es ist eine Investition in die Zukunft“, spottete Sängerin Jude Abbott.

Chumbawamba haben von ihren Gegnern offensichtlich gelernt. Sei fast drei Jahrzehnten protestieren die Musiker aus Leeds gegen Neoliberalimus, Rechtsradikalismus und die Ausbeutung der Armen durch die Reichen. Für die Weltrevolution hat es nicht gereicht, aber immerhin hatten sie 1997 mit der Arbeiterhymne „Tubthumping“ einen Welthit, der noch heute im Formatradio läuft.

Ihre alten Feinde wie Thatcher, das wurde beim Konzert im Kulturzentrum schnell deutlich, haben Chumbawamba trotzdem nicht vergessen. Früher mischten sie Punk, Folk und elektronische Beats zu tanzbarer Anarchie. Für die leisen Lieder ihres aktuellen Albums „ABCDEFG“ brauchen sie nur noch Akustikgitarren, ein Akkordeon, hin und wieder eine Trompete und zwei himmlische Frauenstimmen.

Die singen dann über die rechtsextreme British National Party, über Vereinsamung durch Internet-Netzwerke wie Facebook und den Juden, der gegen die erste Aufführung von Hitlers Lieblings-Komponisten Wagner in Israel 2001 mit einer lauten Rassel während der Aufführung protestierte.

Das alles erklären Sängerin Abbott und ihr männlicher Kollege Boff Whalley ausführlich zwischen den Stücken. Es ist eine intelligente Art von Infotainment, mit dem Chumbawamba den 150 Zuhörern einen ebenso lehrreichen wie lustigen Abend bereiten.

Auf den Metallica-Frontmann James Hetfield etwa singt das Quintett eine wunderbare Schmähhymne. Der US-Musiker hatte sich einst stolz gefreut, dass die Songs seiner Band zur Folter von Terrorhäftlingen in Guantanamo eingesetzt werden. In ihrem Lied drehen Chumbawamba den Spieß um und beschallen Hetfield mit ihrem Hit „Tubthumping“. „James, just give us names“, lautet der Refrain. Das ist so großartig, dass es selbst Metallica gefallen müsste.

Von Matthias Lohr

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