Wieso die Berliner Electropunk-Band Frittenbude Orte wie das Musikschutzgebiet liebt

Revolution in der Provinz

Frittenbude: Martin Steer (von links), Johannes Rögner und Jakob Häglsperger gründeten ihre Electropunk-Formation, als während einer Autofahrt das Radio kaputt ging und die drei zu Häglspergers Beats Musik machten. Am Samstag treten sie auf dem Grünhof bei Homberg auf. Foto: Audiolith

Martin Steer hatte es nicht einfach, als er vor fünf Jahren im niederbayerischen Geisenhausen die Band Frittenbude gründete. Die Kleinstadt liegt in der Nähe von Landshut, „einer erzkonservativen Provinz, in der man schon aneckt, wenn man etwas anderes macht als klassischen Rock“, wie der 25-Jährige sagt.

Mit seinen Kumpels Johannes Rögner und Jakob Häglsperger mischte er Punk, Techno und HipHop zu einer energetischen Mischung. „Das ist doch keine Musik“, sagten die Geisenhausener. Mittlerweile lebt das Trio in Berlin, und ihr Electropunk wird überall geliebt. Im vergangenen Jahr zogen Frittenbude mit ihrer Plattenfirma Audiolith und befreundeten Bands wie Egotronic durch die Provinz. Die „Dorfdisko“-Tour war solch ein Erfolg, dass in allen großen Feuilletons lange Reportagen über die „Rock’n’Roll-Klassenfahrt“ erschienen.

Auch wenn Frittenbude an diesem Samstag beim Musikschutzgebiet-Festival auf dem Grünhof bei Homberg auftreten, ist eine schweißtreibende Party garantiert. Der Faszination ihrer Live-Shows mit Laptop, Beat-Computer und verzerrten Gitarren kann man sich nur schwer entziehen.

Gitarrist Steer, der auf dem Grünhof auch mit seiner Indie-Rock-Band Pandoras.box auftritt, wird sich in der Idylle wohlfühlen. „Wir finden es geil, jenseits der großen Medienstädte zu spielen. Die Leute sind da dankbarer“, findet der Musiker, der einst bei Sony jobbte und nun ganz von der Frittenbude lebt.

Angesagte Sachen, hat er festgestellt, entstehen meist nicht in der Großstadt. Er denkt dabei an das oberbayerische Weilheim, wo die international gefeierte Band The Notwist an ihrem Indietronic-Sound tüftelt - und an Geisenhausen, wohin Frittenbude eines Tages zurückkehren könnten: „Vielleicht kaufen wir uns irgendwann einen Bauernhof mit Studio, aber jetzt sind wir erst einmal jung.“

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.