Richard Galliano und Ron Carter beim Jazz-Frühling in Kassel

Zwei Jazz-Giganten vor dem Altar: Kontrabassist Ron Carter (links) und Akkordeonist Richard Galliano. Foto: Fischer

Kassel. Bombenalarm draußen, Bombenstimmung drinnen. Was man dem Rathauspersonal per E-Mail androhte, gehört zu einer verrohten Realität.

Die friedliche Zusammenkunft vieler Musikliebhaber verbindet dagegen Kulturen und sorgt für Kommunikation. Dem Bedürfnis zu zerstören stand beim ausverkauften Konzert der Jazz-Giganten Ron Carter und Richard Galliano in der Karlskirche die Begeisterung für das, was Menschen erschaffen haben, gegenüber.

Man möchte sich ja so gern den naiven Glauben an eine bessere Welt durch Musik erhalten, gerade wenn man erleben konnte, wie zwei exzellente Instrumentalisten mit außergewöhnlichen Biografien ein kreatives Miteinander auf höchstem Niveau zelebrierten.

Dass der distinguierte Kontrabassist Carter und der meisterliche Akkordeonist Galliano schlichte Bluesthemen und althergebrachte Jazzstandards als Wegstrecke wählten, um das Ziel der perfekten Interaktion zu erreichen, spielte keine Rolle. Nicht das Was stand im Vordergrund, sondern das Wie.

So erlebten „Stella by Starlight“, „All the things you are“ und „My funny Valentine“ liebevoll arrangierte Streicheleinheiten durch die routinierten Protagonisten, die mit entspannter Selbstverständlichkeit und Virtuosität das Publikum begeisterten.

Galliano faszinierte bei seinem Solostück „Aria/Libertango“ mit Tonfarbe und Spieltechnik. Zwischen einem wuchtig-majestetischem Orgelklang und dem fein ziselierten Lagenspiel im oberen Register bot er mit seinem Akkordeon eine berauschende Klangvielfalt. Bach’sche Fugentechnik, Piazzolla-Flair und französische Musette vereint in einer zehnminütigen Eruption der Möglichkeiten und Emotionen

Carter ließ es Gentlemanlike ruhiger angehen. Mit Spreizgriffen, deren Umfang zum Umklammern eines Basketballs befähigt, wanderte er gemächlich auf dem Steg hoch und runter, schob immer mal ein laufschnelles Thema zwischen die Soundmalereien, um dann als Gandalf der Jazzgeschichte die Aura des betagten Traditionalisten herbeizulächeln. Es war ein Konzert, das Nostalgiker, Hochleistungs-Musiker, Jazz-Liebhaber und jugendliche Synkopenlaboranten gleichermaßen in Verzückung versetzte. Großer Applaus.

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