Der alemannische Dichter Johann Peter Hebel wurde vor 250 Jahren geboren

Vom richtigen Leben

Ein Prosit dem Dichter! Das Bild Johann Peter Hebels ziert die Flaschenetiketten einer Sonderedition von Weinen aus dem Markgräfler Land. Die Weine wurden anlässlich des 250. Geburtstages von Johann Peter Hebel aus Trauben gekeltert, die an Orten seines Wirkens gewachsen sind. Foto: dpa

Das Oberrheintal zwischen Karlsruhe, Freiburg und Basel ist eine besondere Gegend. Nicht nur, weil dort die Fernseh-Wettervorhersage meist die höchsten Temperaturen in Deutschland vermeldet. In dieser Gegend, besonders aber im Markgräflerland südlich von Freiburg, wo der alemannische Dialekt zuhause ist, wird ein Dichter verehrt, der ansonsten fast vergessen scheint: Johann Peter Hebel (1760-1826).

Viele Schulen, Straßen, Mehrzweckhallen, ja Kneipen sind nach Hebel benannt. Und wer einigermaßen den Dialekt beherrscht, kennt seine Mundartgedichte: „Das Lied vom Kirschbaum“, „Der Mann im Mond“ oder das Gedicht über „Die Wiese“, jenen kleinen Fluss, der am Feldberg im Schwarzwald entspringt und bei Basel in den Rhein mündet.

Viele Regionen kennen ihre Leib-und-Magen-Dichter, die Bayern Ludwig Thoma, die Niedersachsen Hermann Löns. Doch Johann Peter Hebel hat auch die Mentalität der badischen Bevölkerung beeinflusst.

Bleib auf dem geraden Weg!

Der Dichter Hebel, im Hauptberuf Theologe, ist ein Prophet der Rechtschaffenheit. Allerdings predigt er keinen dumpfen Gehorsam, sondern eine aufgeklärte Moral: Wenn du dein Leben in den rechten Bahnen lenkst, dann wird der Lohn sehr wahrscheinlich Erfolg, Anerkennung und Zufriedenheit sein. „Bliib ufem grade Weg!“, diesen Ratschlag hören auch heute noch Kinder von ihren Eltern oder Großeltern. Dahinter steht der aufklärerische Optimismus, dass die Welt (von Gott) im Prinzip gut eingerichtet ist und man gut daran tut, sein Leben an moralischen Maßstäben zu orientieren.

Beispielhaft lehrt Hebel diese Moral, die nicht verbissen daherkommt, in seinem Gedicht vom „Mann im Mond“. Er trägt den Namen Dieter und wurde verbannt, weil er ein Nichtsnutz und sonntags als Holzdieb unterwegs war. Das dialogisch aufgebaute Gedicht - ein Kind fragt die Mutter nach dem Mann im Mond - endet mit dem Ratschlag:

Se hüt di vorem böse Ding,

‘s bringt numme Weh und Ach!

Wenn’s Sunntig isch, se bet und sing.

Am Werchtig schaff di Sach

                    !

So hüt’ dich vor dem bösen Ding,

es bringt nur Weh und Ach!

Wenn’s Sonntag ist, so bet’ und sing’

Am Werktag schaff dein’ Sach’

Seine Lebensregeln verbreitete Hebel allerdings selten so direkt. Als Dichter hat er eine feine Ironie, vermag seine Geschichten spannend zu erzählen und offenbart auch Sympathie für die vom Wege Abgekommenen.

Hebel ist kein reiner Mundart-Dichter. Im gesamten deutschen Sprachraum wurde er bekannt mit seinen Kalendergeschichten für den „Rheinischen Hausfreund“. Die berühmteste, „Kannitverstan“, fand den Weg in viele Lesebücher.

Ein Handwerksbursche hört im fremden Amsterdam auf die Frage, wem das alles gehöre, stets die Antwort „Kannistverstan“. Am Ende folgt er erschüttert dem Trauerzug für den vermeintlichen Herrn „Kannitverstan“. Ein Lehrstück über Vergänglichkeit und den Tod, der alle gleich macht, eine ironische Wendung so recht nach Hebels Geschmack. Und damit hat er viele Literaten beeindruckt. Zur Riege seiner Bewunderer zählen Goethe, Tolstoi und Elias Canetti.

Lesetipp: Bernhard Viel: Johann Peter Hebel oder Das Glück der Vergänglichkeit. Eine Biografie. Verlag C. H. Beck, 296 Seiten, 22,95 Euro.

Von Werner Fritsch

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