CD-Kritik

Unaufgeregt und gut gelaunt: Rick Astley ist mit einem neuem Album zurück

+
Sänger Rick Astley: Kürzlich bei der Albumpräsentation und (kleines Bild) während eines Auftritts in der TV-Show „Flitterabend“ 1989. 

Rick Astley, Popstar der 80er Jahre, ist mit „Beautiful Life“ und mehr Soul zurück.

Da ist er wieder, der nette Typ, die Popsensation aus den 80ern: Rick Astley hat ein neues Album veröffentlicht – mitten im Sommer, der Zeit, in der kaum neue Platten auf den Markt kommen. Die Chance auf einen oberen Chartplatz steigt für ihn also ungemein.

Eigentlich hat der Brite schon immer viel Seele in seine Musik gelegt, kam über den Kirchenchor und als Soulfan dazu, nur angehört hat man das seinen Songs nie. Vor allem nicht seinem größten Hit „Never Gonna Give You Up“, ein Titel aus der Massenproduktionsschmiede von Stock-Aitken-Waterman. Die auch für Kylie Minogue und Samantha Fox Einheitsformatsongs der Marke Eurodance produzierte. Astley verkaufte 40 Mio. Alben, bevor er sich 1993 zurückzog.

Fast 20 Jahre Pause

Mit 52 Jahren (und nach fast 20 Jahren Pause im Musikgeschäft) will er jetzt auch hierzulande sein Comeback feiern. Bis vor zwei Jahren, als er das Album „50“ veröffentlichte und damit überraschend in England auf Platz eins der Charts landete, wusste vermutlich nur seine Frau, dass er überhaupt noch Musik macht. 

Denn Astley wollte nach dem Megaerfolg das normale Leben – den Alltag – abseits des Rummels genießen. „Meine Tochter aufwachsen zu sehen, das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt er heute. Letzte weltweite musikalische Erfolge liegen ein Vierteljahrhundert („Free“) zurück. Passend zu seinem Lebensgefühl heißt sein neues Album „Beautiful Life“ – schönes, wunderbares Leben. Und damit hebt sich Rick Astley tatsächlich etwas ab von der seelenlosen Hitparadenmusik, die dem Mädchenschwarm von einst immer wieder von Kritikern vorgeworfen wurde.

Kein meinungsstarkes Album

Der titelgebende Song sprüht nur so vor guter Laune und ist eine mittelmäßige Tanznummer, die ihn sicher zu Stefan Mross’ „Immer wieder sonntags“-Sendung führen wird. In den etwas altmodisch klingenden Popsongs geht es vorwiegend um die Liebe, das Leben – ein meinungsstarkes Album ist es nicht. Hat von dem tanzenden (niemals hoffnungslosen) Melancholiker mit der angenehmen Stimme auch kein Mensch erwartet. 

Aber: Es gibt Überraschendes, Rick Astley bringt ein paar elektronische Stilmittel („Shivers“) mit ein. Und: Bei „I Need The Light“ senkt er die Jubelstimmung und seine Stimme wird souliger, dazu ein düstereres Klavierintro – der beste Song des Albums, wenn nicht seiner Karriere. Bei „Last Night On Earth“ mischt sich etwas Countryfolk in den polierten Popsound. Und sonst? Ein paar zu viele Schmachtnummern.

Astley schrieb alle Songs selbst, spielte alle Instrumente im eigenen Studio ein und war auch für die Produktion zuständig. Dabei scheint er viel Spaß gehabt, Ed Sheeran und Daft Punk gehört zu haben.

Wie er sich seinen Erfolg erklärt? Er sei der Typ gewesen, dem man nicht zutraute, selbst ein Album zu schreiben. Doch das habe er jetzt zum zweiten Mal getan und sei bei sich geblieben. Das hört man den unaufgeregten, gut gelaunten Discofunk-Songs an. Er kann ruhig noch etwas da bleiben, dieser harmlose nette Typ mit der angenehmen Stimme.

Rick Astley: Beautiful Life (BMG) 

Wertung: drei von fünf Sternen

Auftritt am 14. September in Frankfurt, Batschkapp, Karten: www.batschkapp.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.