Ein Riecher für gute Kunst: Rundgang der Kunsthochschule

Selten hat Kunst so gut gerochen wie bei Birka Machmor. Für den Rundgang der Kasseler Kunsthochschule hat die Studentin eine ganze Plattenbausiedlung aus Lebkuchen und Leibniz-Keksen gemacht.

Alles sieht stilecht aus, auch die passende Werbung für den Discounter-Markt und eine Fast-Food-Kette. Ein Kommilitone, der einst in so einer Plattenbausiedlung aufwuchs, hat Machmor darauf hingewiesen, dass unter dem untersten Balkon ein bisschen Platz sein muss. Dort hatte er sich als Kind oft versteckt.

Die Lebkuchen-Trabantenstadt ist ein Hingucker in der traditionellen Rundgangs-Ausstellung, mit der sich die 1000 Studenten aus den Fachbereichen Bildende Kunst, Visuelle Kommunikation, Produktdesign, Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik jährlich der Öffentlichkeit präsentieren. Diesen Sommer geht es nicht nur bei Abate aus der Klasse von Prof. Florian Slotawa verstärkt um Architektur.

Studenten des Fachbereichs Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, die am Holländischen Platz zu Hause sind, zeigen 18 Modelle einer möglichen Ausstellungshalle der Kunsthochschule. Jeder Entwurf enthält zudem einen QR-Code. Mit dem gelangt man per Smartphone zu Installationen und Performances, die außerhalb der Uni stattfanden. Für Kunsthochschuldirektor Prof. Christian Philipp Müller und Architektur-Professor Wolfgang Schulze ist das eine ideale Verbindung der beiden Disziplinen.

Grenzüberschreitend ist auch die Arbeit von Christof Clement und Benita Hahn. Er entwirft ganz untypische Tätowiervorlagen, die wie geometrische Formen aussehen, sie sticht sie Besuchern in die Haut. Die tätowierten Gäste werden in der Ausstellung zu wandernden Exponaten.

Aus einer Zugfahrt Kunst gemacht hat Brigit Edelmann. Die Schweizerin pendelt mit der Bahn zwischen St. Gallen und Kassel und hat dabei immer wieder aus dem Fenster fotografiert. Die Bilder hat sie auf eine Folie gedruckt, die sich nun wie eine meterlange Filmprojektorrolle im Zickzack durch einen Raum dreht. Das hat meditativen Charakter.

Bilder vom Rundgang

Rundgang der Kunsthochschule Kassel

Wie cool Vogelhäuschen aussehen können, beweisen Studienanfänger aus dem Fachbereich Produktdesign. Sie haben sich mit berühmten Designern auseinandergesetzt und deren Ideen einfließen lassen. Entstanden sind etwa Vogelhäuschen, die aussehen wie ein Rennwagen von Luigi Colani oder ein Braun-Radio.

Bilder von diesen und allen anderen Werken kann man im Rundgangs-W-Lan ins Netz laden. Alle Seiten, die man in dem Netzwerk über sein Smartphone aufruft, drucken Studenten aus der Neue-Medien-Klasse aus. Das Papier legen sie in ein Regal. So könnte es auch bei den Spionen der NSA aussehen. Hier wird Kunst politisch.

Rundgang Kunsthochschule

Dauer: bis 21. Juli

Öffnungszeiten: täglich 12 bis 21 Uhr sowie Sonntag bis 18 Uhr.

Ort: Kunsthochschule Kassel, Menzelstraße 13-15

Führungen: Kunststudenten bieten das Vermittlungsformat „Rundgang im Rundgang“ an. Eine Führung dauert eine Stunde. Termine: heute, 15 und 18 Uhr, sowie Freitag und Samstag, jeweils 16 und 18 Uhr. Treffpunkt: Satellit der Kunstwissenschaft vor der Mensa im Nordbau.

Examens-Ausstellung

Ebenfalls noch bis Sonntag ist die Ausstellung „Ex Amen“ mit Abschlussarbeiten von Studierenden sowie Meisterschülern der Kunsthochschule zu sehen.

Geöffnet: täglich 12 bis 20 Uhr sowie Sonntag 12 bis 18 Uhr.

Ort: Südflügel im Kulturbahnhof, Turnhalle der Nachrichtenmeisterei, Interim, Stellwerk.

www.kunsthochschulekassel.de

Von Matthias Lohr

Rubriklistenbild: © Zgoll

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