13 Jahre nach seinem Tod erobert ein dicker Hawaiianer mit einer Ukulele die deutschen Charts

Musiker Israel Kamakawiwo’ole erobert 13 Jahre nach seinem Tod die Charts

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Großer Mann mit kleinem Instrument: Der sieben Zentner schwere Hawaiianer Israel Kamakawiwo’ole coverte mit der Ukulele den Jazzklassiker „Over The Rainbow“. In Deutschland machte der Entertainer Stefan Raab die kleine Schwester der Gitarre berühmt.

Was sich im Juni 1997 vor Honululu abspielte, war vielleicht die fröhlichste Trauerfeier der Pop-Geschichte. Mehr als 10.000 Hawaiianer kamen an den Strand, um den Musiker Israel Kamakawiwo’ole zu verabschieden. 

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Video 1

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Er war mit 38 Jahren gestorben. Sie paddelten auf Surfbrettern in die Bucht hinaus, und als sie die Asche dem Meer übergaben, brandete Jubel auf. Die unglaublichen Bilder sind gerade im Video zu Kamakawiwo’oles Version des Jazzklassikers „Over The Rainbow“ zu sehen, mit dem der US-Sänger 13 Jahre nach seinem Tod Nummer eins der deutschen Single-Hitparade geworden ist. Der posthume Erfolg ist so ungewöhnlich wie der Künstler, der von den Hawaiianern „sanfter Riese“ und „IZ“ wie „Easy“ genannt wurde, weil Kamakawiwo’ole zwar fast 350 Kilo wog, seine Lieder aber so leicht waren. Dieses Sanfte zeichnet auch „Over The Rainbow“ aus, das Judy Garland bereits 1939 in „Der Zauberer von Oz“ sang.

Im Video sieht man den Koloss am Strand singen, wo er oft kostenlose Konzerte gab. Seine Lieder sorgten dafür, dass die hawaiianische Sprache nicht ausstarb, und er erhielt mehrmals die wichtigste musikalische Auszeichnung der Pazifikinsel. Kamakawiwo’ole war also im doppelten Sinn ein Schwergewicht, als er am 26. Juni an Atemnot starb.

Kino- und TV-Zuschauer kennen seine Version von „Over The Rainbow“ schon länger. Sie war unter anderem im Film „Rendezvous mit Joe Black“ (1998) und in einer Folge der Serie „Emergency Room“ (2002) zu hören. Das dazugehörige Album „Facing Future“ konnte man bislang nur über eine kleine Plattenfirma auf Hawaii kaufen. Nun hat sich Universal die Rechte für Deutschland gesichert und auch „Over The Rainbow“ zum Hit gemacht.

Aber selbst beim Plattenriesen war man darüber überrascht. Zumal Kamakawiwo’ole ein Instrument spielt, das hier zu Lande oft als kleine Schwester der Gitarre verspottet wurde. Die meisten kennen die Ukulele nur von TV-Entertainer Stefan Raab, der darauf seine lustigen „Raabigramme“ spielte.

Dabei hat das meist viersaitige Instrument eine lange Geschichte. Ein Portugiese brachte es 1879 nach Hawaii wo sich die Bewohner angesichts der schnell bewegenden Finger an einen „hüpfenden Floh“ („’ukulele“) erinnert fühlten. Marilyn Monroe zupfte die Kleingitarre in „Manche mögen’s heiß“, Jazzer schätzen ihren pappigen Ton, und John Lennon schrieb Beatles-Lieder auf ihr.

Mittlerweile wird sie neu entdeckt: Der vor drei Jahren gegründete deutsche Ukulelenclub hat bereits 2300 Mitglieder und einen hübschen Slogan: „Für Körper und Seele - Ukulele.“ Die New Yorker Singer/Songwriterin Julia Nunes wurde sogar eine Internet-Berühmtheit, nachdem sie Pop-Hits auf der Ukulele coverte und ins Netz stellte.

Für jeden ist das Instrument allerdings nicht geeignet: Kamakawiwo’ole war am Ende so dick, dass er die Ukulele nicht mehr spielen konnte und eine größere Spezialanfertigung benötigte.

Das Video zu „Over The Rainbow“ sehen Sie unter www.hna.de/kultur

Von Matthias Lohr

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