Riesenbeifall: Auftakt der Händel-Festspiele mit „Esther“

Carolyn Sampson Foto: Festspiele

Göttingen. Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen haben einen neuen künstlerischen Leiter, deshalb war man umso gespannter auf die diesjährige Eröffnung des weltweit ältesten Festivals für Barockmusik.

Laurence Cummings leitete am Donnerstag in der fast ausverkauften Stadthalle das Oratorium „Esther“.

Was der 1968 in Birmingham geborene Barockspezialist bei seinem Göttinger Einstand bot, überzeugte auf ganzer Ebene. Man merkte, dass er es sehr genau nimmt. Es war eine ausgefeilte Aufführung, bei der auch das Temperament nicht fehlte.

Vom Cembalo aus führte Cummings die Musiker mit steter Konzentration. Manchmal kümmerte er sich nur mit einer geschmeidigen Geste der rechten Hand um die Feinheiten. Vor markanten Choreinsätzen hatte er aber manchen Sprung parat - Hingucker wie sein Frackhemd mit Rüschen.

Von der Ouvertüre an zeigte das 2006 von Vorgänger Nicholas McGegan gegründete Festspielorchester eine fabelhafte Händel-Kompetenz - inbegriffen solistische Brillanz, allen voran der Oboistin Susanne Regel. Mit Solisten, die kleine Partien übernahmen, überzeugte auch der NDR-Chor, der ein weites Spektrum vom Klagegesang bis zum eindrucksvoll strahlenden Forte zu bieten hatte.

Händels Oratorium, hier in der Zweitfassung von 1732, erzählt von der Israelitin Esther, die als Frau des Perserkönigs Ahasverus die vom Hofbeamten Haman geplante Vernichtung der Juden verhindert. Mit Wärme und vielen Facetten bis hin zu virtuosen Koloraturen gestaltete Sopranistin Carolyn Sampson die Titelpartie.

Ein jugendlicher Sopran von fast schneidender Leuchtkraft kam von Sophie Junker (Israelite Woman), während Njål Sparbo dem zuerst brutalen, dann um Gnade flehenden Bassschurken Haman eine äußerst imposante Statur verlieh. Auch zwei Altisten waren in dem vorzüglichen Ensemble: Mehr als Daniel Taylor (Mordecai) nahm der kraftvolle Iestyn Davies (Ahasverus) ein, auch mit seinen Halleluja-Koloraturen im jubelnden Schlusschor. Riesenbeifall.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.