Riesenstimme: Jazzsänger Kurt Elling im Kulturzelt

Kongeniale Partner: US-Sänger Kurt Elling (links) und sein Gast, der deutsche Trompeter Till Brönner. Fotos: Fischer

Die Vorfahren des US-Jazzsängers Kurt Elling brauten einst in Niedersachsen Bier. Die Wahnsinsstimme des Jazzers passt aber eher zu einem Glas Wein, wie er im Kasseler Kulturzelt bewies.

Kassel. Gut sieht er aus: schicker Anzug, Einstecktuch, Krawatte. Das Beste aber: Der Mann hat eine umwerfende Stimme und ein Charisma in der Kehle, bei dem man unweigerlich an den legendären Frank Sinatra denken muss. Für die „New York Times“ ist der aus Chicago stammende Kurt Elling der herausragende Jazzsänger unserer Zeit.

Mit vier ebenfalls großartigen Musikern und Jazz-Trompeter Till Brönner, der das Quintett später ergänzte, präsentierte der 47-jährige Grammy-Gewinner am Samstag im bestens gefüllten Kasseler Kulturzelt sein aktuelles Album „Passion World“.

„Liebe Freunde, es ist so schön, dass ihr heute gekommen seid“, radebrecht er zur Begrüßung in wackligem Deutsch. Das Publikum schließt ihn dafür sofort ins Herz. Auch im Verlauf des Konzertes wird Elling mit seinen Deutschkünsten immer wieder für Schmunzler sorgen. Für Hochachtung sorgt sein Gesang. Mit dem Stück „The Streets Have No Name“ beginnt er und sofort krabbelt Gänsehaut über den Rücken.

Elling verquickt auf sensationelle Weise gesangstechnische Höchstleistungen mit tiefer Emotionalität. Die Gesangslinien kommen perfekt intoniert, zudem aber auch berührend warm und dezent melancholisch. Vier Oktaven attestiert man ihm. Bei einigen Stücken schöpft er seine ganzen Möglichkeiten aus, brilliert aber eindeutig am stärksten, wenn er in der Mittellage bleibt, seinen Bariton wie ein Instrument und zum Streicheln einsetzt.

Seinen starken Begleitmusikern - Gary Versace glänzt am Piano, aber auch auf der Hammond-B3-Orgel aus dem Theaterstübchen, John McLean an der Gitarre, Christian Euman am Schlagzeug und Clark Sommers am Bass - lässt er viel Raum für mitreißende Soli.

Nach einer Stunde gesellt sich Till Brönner dazu und zeigt besonders bei Stücken wie „Si Te Contara“ und „Bonita Cuba“, wie enorm facettenreich er zu spielen vermag. Zudem übernimmt Brönner, der erst im März im Staatstheater gastierte, etwas die Moderation, lobt Elling („Er spricht doch fantastisch Deutsch“) und sorgt mit Hintergrundwissen für Lacher: „Ellings Vorfahren sind Deutsche. Sie brauten in Einbeck Bier.“ Riesenapplaus, eine Zugabe.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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