Als Rilke die Frauen wuschig machte

Schriftsteller Klaus Modick war zu Gast in Vellmar

Klaus Modick Foto: von Busse

Vellmar. Das Hörbuch seines Bestsellers „Konzert ohne Dichter“, den Klaus Modick Montagabend in Vellmar vorstellte, hat Christian Brückner gesprochen.

Der bekannteste deutsche Synchronsprecher „liest sehr gut“, sagte der 63-Jährige, „das lässt sich nicht leugnen“. Doch mag er seinen eigenen Roman nicht hören, wie er im brechend vollen Evangelischen Kirchenzentrum verriet: Brückners Interpretation entspreche nicht seiner eigenen Wahrnehmung des Textes. Um hinzuzufügen, es gebe grundsätzlich „so viele Varianten eines Textes, wie es Leser gibt“. Jeder entwirft sein eigenes Bild einer Geschichte.

„Konzert ohne Dichter“ handelt von der schwierigen Freundschaft des Jugendstil-Künstlers Heinrich Vogeler (1872-1942) mit Rainer Maria Rilke (1875-1926). Modick las, wie Rilke zum ersten Mal in die Malerkolonie Worpswede kommt und mit seiner Inszenierung als Dichter und pathetischen „Zaubersprüchen“ die jungen Frauen wuschig und die Männer eifersüchtig macht. Worpswede-Material gebe es in Hülle und Fülle, sagte Modick, Selbstzeugnisse, nicht nur vom „manischen Briefschreiber“ Rilke, dazu Gebirge von Sekundärliteratur. Er habe die Geschichte nur „erzählerisch zuspitzen“ müssen. Nun sei sie zwar ausgedacht, ergänzte der Schriftsteller aus Oldenburg, aber doch authentischer als die Wirklichkeit: „Es stimmt alles.“ Der Abschnitt jedenfalls, wie der reiche Bremer Kaffeehändler Roselius durch die Ateliers streift und „Kunst reibungslos in Geld verwandelt“, hat nichts an Aktualität eingebüßt.

Auch Modick ist ein großartiger Vorleser. Dass Renate Blobner für den Verein Ecke und Kreis sagte „Herzlichen Dank, Herr Vogeler“, zeigte nur, wie sehr Modick die Zuhörer in den Bann seiner Schilderung gezogen hatte.

Klaus Modick: Konzert ohne Dichter. Kiwi, 240 S., 17,99 Euro.

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