Tanzdirektor Johannes Wieland hat für „breitengrad“ zwei Gastchoreografen aus Athen eingeladen - Premiere am Freitag

Ring frei: Grenzenloser Tanz um die Freiheit

Gastchoreografen: Jozef Frucek und Evangelia Kapetanea. Fotos:  nh

Kassel. Evangelia Kapetanea und Jozef Frucek wissen ihre Freiheit zu schätzen. Am Freitag führen die Gastchoreografen aus Athen ihr Tanzstück „Giving birth to a thousand years of sorrow“ im Schauspielhaus auf. Bei den Proben ist ihre vierjährige Tochter immer dabei. Schon als sie drei Monate war, haben die Griechin und der Tscheche sie mit ins Studio genommen. Nächstes Jahr kommt die Kleine in die Schule, Familienausflüge sind dann nur noch schwer möglich. Diese Art von Freiheit ist dann vorbei.

Um Freiheit geht es auch in der Choreografie von Kapetanea und Frucek, die der Tanzchef des Staatstheaters, Johannes Wieland, nach Kassel geholt hat, nachdem er auf ihre Stücke aufmerksam geworden war. Seine neue Arbeit „sie alle werden anfangen zu weinen. alle“ beschäftigt sich ebenfalls mit Freiheit. Der gemeinsame Titel des Abends ist „breitengrad“.

Es geht also um Grenzen und Möglichkeiten, sich frei zu entfalten. Frucek hat das früher als Kampfsportler getan. „Das beeinflusst dein Denken“, sagt der 35-Jährige, der in Bratislawa studiert hat und mit Kapetanea bei der Ultima Vez Kompanie des Belgiers Wim Vandekeybus getanzt hat. Seit 2007 leitet das Paar in Athen seine eigene Kompanie „RootlessRoot“. Der Begriff „wurzellos“ ist bewusst gewählt. In Tschechien war Frucek schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Mit Kapetanea arbeitet er in Wien, Budapest, Barcelona und Kassel. Heimat ist für ihn da, „wo meine Familie ist“.

Ihre Choreografien entwickeln die beiden gemeinsam. „Allein wären wir dazu nicht in der Lage“, sagt Kapetanea (37), die in Athen und New York studierte. Die Kampfsport-Vergangenheit ihres Mannes sieht man auch den Stücken an. „Es sind herausfordernde Bewegungen“, findet Wieland, der eine ähnliche Sprache spricht. Es könnte also heißen: Ring frei.

Die beiden Stücke, versprechen die drei Choreografen, werden trotzdem sehr unterschiedlich - nicht nur musikalisch. Während Wieland Balkan-Klänge verwendet, setzen Frucek und Kapetanea auf Indie-Rock. Ihre Tochter indes hört am liebsten Adventslieder. Ihr Lieblingsplatz in Kassel ist der Weihnachtsmarkt.

„breitengrad“, zwei Stücke von Johannes Wieland sowie Evangelia Kapetanea und Jozef Frucek: Uraufführung am Freitag, 19.30 Uhr, Schauspielhaus. Karten unter 0561/1094-222.

Von Matthias Lohr

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