Nachfolge ausgeschrieben

Kasseler Generalmusikdirektor Ringborg verlässt Kassel 2017

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Ein Dirigent, der auch die Massen erreicht: Generalmusikdirektor Patrik Ringborg beim HNA-Open-Air-Konzert 2013 vor mehr als 30 000 Menschen in der Kasseler Karlsaue.

Kassel. Gesprochen hat Patrik Ringborg (49) schon des öfteren von seiner Sehnsucht, irgendwann nach Schweden zurückzukehren. Jetzt ist es offiziell.

Der Kasseler Generalmusikdirektor wird seinen bis Sommer 2017 laufenden Vertrag nicht verlängern. Schon jetzt hat der in Stockholm geborene Dirigent viele Engagements in Schweden, und er will sich nun noch mehr „in Richtung Heimat orientieren“.

Allerdings hat Ringborg, der seit 2007 Musikchef in Kassel ist, in den verbleibenden zwei Spielzeiten noch eine Menge vor. Zwar darf er die Opernspielpläne noch nicht preisgeben, doch dass es ein weiteres Mahler-Fest geben wird, wo unter anderem das in Kassel vollendete „klagende Lied“ gespielt wird, verrät Ringborg, ebenso wie das außergewöhnliche Programm des Bußtagskonzerts 2016, des letzten in der Kasseler Stadthalle: Hilfing Rosenbergs „Johannes-Offenbarung“.

Krönender Konzertabschluss 2017 nach zehn Kasseler Jahren werden Arnold Schönbergs monumentale „Gurre-Lieder“ sein, ein Riesenprojekt, zu dessen Realisierung neben Solisten und mehreren Chören auch ein zweites Orchester engagiert wird.

Zehn Jahre sind eine Ära, und für Ringborg auch eine runde Sache. Schon die letzten Jahre hat er das Kasseler Musikleben nachhaltig geprägt, in der Oper mit allen Wagner-Opern außer dem Ring, zuletzt mit den Strauss-Opern „Die Frau ohne Schatten“ und „Der Rosenkavalier“, aber auch mit einem wegweisenden „Lear“ (2010), den der Komponist Aribert Reimann als „zweite Uraufführung“ pries.

Dazu kommen viele Konzertereignisse wie jüngst die achte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Auch eines der größten Klassik-Events Deutschlands, das HNA-Open-Air-Konzert mit zuletzt 30 000 Besuchern, entsprang Ringborgs Initiative. 2016 wird es in der dann von Weltkriegs-Blindgängern gereinigten Kasseler Karlsaue wieder stattfinden können.

Unter Ringborgs Leitung hat das Kasseler Staatsorchester sein Spektrum deutlich erweitert: hin zu einem Orchester, das Barockopern stilistisch ebenso kompetent aufführt wie Klassik und Moderne und das auch als „Band mit Streichern“ mit Swing und Glamrock begeistert.

Mehr als alle seine Vorgänger hat Ringborg sich dafür eingesetzt, die Infrastruktur von Orchester und Theater zu verbessern. Die Konzertmuschel und Umbauten im Opernhaus für eine bessere Akustik gehören ebenso zu seinen Initiativen wie die Gründung der Ochesterakademie und des Opernstudios, um junge Künstler an das Orchester und die Opernbühne heranzuführen. Auch an der Sicherung des A-Status des Staatsorchesters bis 2023 hat Ringborg mitgewirkt.

In dieser Woche wird Ringborgs Nachfolge offiziell ausgeschrieben. Einer Findungskommission obliegt es dann, eine adäquate Nachfolge zu sichern.

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