Dieter Nuhr begeisterte in der Göttinger Lokhalle

Von Ritter Rost und Ronald Pofalla

Dieter Nuhr Foto:  Kopietz

Göttingen. Er träumt sich nackt in einen Rewe-Markt und wie er sich als Papst bewirbt. Das erzählt Kabarettist Dieter Nuhr in seinem Programm „Nuhr ein Traum“ in der Göttinger Lokhalle am Sonntagabend. Es geht mehr ums Leben, das echte Leben und jenes, was sich im Kopf abspielt.

Denn Realität entsteht nur im Kopf und da ist oft Chaos, sagt Nuhr. Und - besonders bei Deutschen - viel zu viel Platz für Unzufriedenheit. „Um mehr Zuversicht, Zufriedenheit, darum geht es.“ Der Zuschauer denkt, das wird ein philosophischer, ja heilsbringender Abend.

Dieter Nuhr weiß eben Rat im Kampf gegen die Volkskrankheit Unzufriedenheit. Er findet Hilfe in den rosaroten Schlagertexten von Mickie Krause. Der brauche keine 50 000 Traumfrauen, sondern ist schon zufrieden mit nur „zehn nackten Friseusen“. Das ist sie, die neue Bescheidenheit, wovon alle lernen könnten.

„Zeit verlängert sich, wenn es unangenehm wird.“ Das merke man am Lebenspartner. Wenn man sich den nach 30 Jahren wieder anschaut - warum nur? - dann denkt man: „Uih! So spät schon.“ Zotig kann Nuhr auch. So ulkt er, erzählt Schwänke aus seinem Leben und über seine „Omma“. Er lässt sich treiben durch die ewige Gedächtniswelt von Amazon und Co. im Internet sowie die Bedienungsanleitung der Mercedes-S-Klasse-Modelle, deren Fortschritt irgendwann darin enden wird, „dass man gar nicht mehr mitfahren muss“.

Und so schafft es Nuhr sogar, den musikalischen Kinderhelden Ritter Rost und CDU-Mann Ronald Pofalla in einen Gag über die grünen Spaßbremsen zusammenzubringen – Respekt.

Richtig stark ist Dieter Nuhr, wenn er seine Gedanken derart fliegen lässt. Dann steigt er in ein scheinbar kompliziertes Thema ein und endet nach vielen gedanklichen Wendungen im Banalen. Zwischendrin nimmt er locker die roten Fäden des Programms wieder auf: Glück, Zuversicht, Angela Merkel, die katholische Kirche, der Papst, der Briefträger und Stimmungssänger Mickie Krause.

Am Sonntag gelingt dem Vollprofi Nuhr all das genial und auf den Punkt. Es gab Zugaben und viele Autogramme.

Von Thomas Kopietz

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