Alexander Schilling inszeniert im tif Inèz Derksens „King A - Eine Ode an jedes Ritterherz“

Ritter der Schwafelrunde

Jede Menge Turbulenzen am Hof: Das Ensemble mit (von links) Christian Sprecher, Frank Richartz, Thomas Sprekelsen, Anke Stedingk und Uwe Rohbeck. Foto: Ketz

Kassel. Nichts ist sicher. Die Begriffe nicht, der eigene Standpunkt schon gar nicht. Alles schwebt auf dieser Bühne, nur der Thron hat sein festes Fundament. Die gemeinschaftliche Beschwörung der echten Rittertugenden oder dessen, was man dafür hält, gerät dann schon ganz zu Anfang zu einer komisch-wackeligen Zitterpartie.

Ein starkes, komisches Bild, wie die fünf Recken in ihren bunten Sportanzügen versuchen, auf dieser Schaukelstange die Balance zu halten, während sie von Kampfgeist, Mut, Kraft, Stärke und der großen Liebe schwadronieren.

Mit „King A - Eine Ode an jedes Ritterherz“ wagt die niederländische Autorin Inèz Derksen einen luftigen Brückenschlag zwischen Gegenwart und Historie, zwischen Jugenddrama und Ritterstück. Sie kann sich ihrer Sache sicher sein, mögen doch alle Kinder Ritter. Und viele träumen davon, mal in einer richtigen „Bande“ zu sein - sofern sie es nicht schon sind. Derksen vermeidet den verstaubt antiquarischen Blick auf ein vermeintlich romantisches Zeitalter, sondern erfindet ein raffiniertes Spiel im Spiel.

In der Inszenierung von Alexander Schilling und Dieter Klinge (Dramaturgie) feierte der Einakter für Kinder ab 10 Jahren am Sonntag im tif eine gefeierte Premiere. Die Zeitebenen werden aufs Wunderbarste miteinander verwoben, und was als Spaß beginnt, wird alsbald bittere „Realität“.

Diese Leute könnten nun an jeder Tafelrunde sitzen, aber auch als Streetgang die braven Bürger verschrecken: Artus, von Thomas Sprekelsen gespielt als ewiger Zweifler und Grübler von Hamlet’schem Format, will die Welt besser machen, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Christian Sprecher verkörpert seinen Bruder Kai. Als Draufgänger, Raufbold und Raubein hat er das ganze Gelaber an der „Schwafelrunde“ satt und will lieber gegen Drachen kämpfen. In einer urwitzigen Einlage demonstriert er bildhaft, wie das gehen soll.

Frank Richartz sitzt als Lanzelot und bester Freund des Königs zwischen den Stühlen, ist hin- und hergerissen zwischen Loyalität und Aufbegehren. Uwe Rohbeck macht als Zauberer und Lehrer Merlin die schöne Männergesellschaft komplett. Und wie das so ist, stiftet die einzige Frau im Bunde, die schöne Guinevere (Anke Stedingk) Unheil. Alle Begriffe von Treue und Ehre, Liebe und Vertrauen stehen plötzlich auf dem Prüfstand, alles schwankt, die Utopie vom hehren Rittertum geht in die Knie.

Dass am Ende alle sich zusammentun, um den Scherbenhaufen aufzukehren und die Tafelrunde zu flicken, ist schön. Vielleicht zu schön, um wahr zu sein.

Nächste Vorstellungen: 6. und 24. Juni. Karten: Tel. 0561/ 1094-222.

Von Andreas Gebhardt

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