Kraftklub und Korn beim Open Flair

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Nichts für zarte Geister: Jonathan Davis und seine Metal-Band Korn waren die Letzten, die sich in diesem Jahr dem Open-Flair-Publikum in Eschwege annahmen.

Eschwege. Trotz aller Hip-Hop-, Ska- und Punkeinlagen gab Hochdruck-Rock den Ton bei der 27. Auflage des Open- Flair-Festivals in Eschwege an.

Dementsprechend dürften diejenigen der 20.000 Besucher, die ihre müden Beine am späten Sonntagabend noch zur Hauptbühne trugen, das Festival mit einem ordentlichen Fiepen in den Ohren verlassen haben.

Denn auch Korn, der letzte Top-Act auf der Hauptbühne, sind nicht gerade bekannt dafür, Rücksicht auf die Gehörgänge ihres Publikums zu nehmen: dröhnende E-Gitarren, ein hämmerndes Schlagzeug und Sänger Jonathan Davis, der seine Texte oktavenüberspannend ins Mikrofon brüllt. Diese Rezeptur hat die Kalifornier zu Stammgästen bei den bedeutendsten Rockfestivals der Welt gemacht. Dass Korn in diesem Jahr den Weg nach Eschwege fand, kann also durchaus als Ritterschlag für die Veranstaltung verstanden werden, die einst mit einem Line-up von vier Bands ins Leben gerufen wurde.

61 Combos standen in diesem Jahr auf den insgesamt drei Bühnen. Und einer Gruppe darf es wohl besonders angelastet werden, dass das Festival schon Wochen vor Beginn restlos ausverkauft war: Kraftklub. Wie rasant die Popularität der fünf Jungs aus Chemnitz nach Auftritten bei Stefans Raabs Bundesvision Song Contest und der Veröffentlichung des ersten Studioalbums „Mit K“ gewachsen ist, ist verblüffend, gleichzeitig aber auch überaus verdient.

Denn auch wenn die Newcomer im Song „Eure Mädchen“ vorgeben, Popmusik zu spielen, liefern sie in Wahrheit doch eine ausgeklügelte Mischung aus Rap und Indie-Rock ab und versuchen dabei, wortgewandt mit deutschen Texten den Nerv der Jugend zu treffen. Wie sehr ihnen das gelingt, zeigte sich am Sonntag schon dadurch, dass Sänger Felix Brummer aus Angst vor Platznot im Publikum immer wieder zu Improvisationen in der Bühnenshow gezwungen war.

Ein Beispiel: Statt zum kollektiven Niedersetzen forderte der 22-Jährige die männlichen Zuhörer auf, doch einfach ihre Nebenfrauen auf die Schultern zu nehmen: Und die weiblichen Kraftklub-Fans wuchsen massenweise in die Höhe.

Ohnehin hängt der Erfolg der Band maßgeblich mit den Showqualitäten ihres Frontmanns zusammen. Wenn Brummer während eines E-Gitarren-Solos über die Bühne stolziert, auf dem Verstärker surft, den Kopf in den Nacken wirft und sich dem Publikum entgegenstreckt, erinnert das Gebaren irgendwie an den jungen Mick Jagger. „Ich bin ein eitler Gockel“, gestand der Sänger im Laufe des Konzerts.

Bei seinem unaufhaltsamen Gehampel könnte man auch an einen ostdeutschen Duracell-Hasen auf Speed denken, obzwar die Stimme beim vierten Festival-Auftritt an vier Tagen hin und wieder Verschleißspuren aufwies. Dennoch dürfte Kraftklub nächstes Jahr zwischen 8. und 11. August sicher wieder gerne in Eschwege vorbeihoppeln.

Von Michael Prieler

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