Robbie Williams' neues Album: Fett aufgedrehte Hit-Maschine

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Robbie Williams

Robbie Williams, die Naturgewalt: „Ich bin ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch steht“, singt er im Titelstück seines heute erscheinenden neuen Albums „Heavy Entertainment Show“, und dass dies seine Art sei, Hallo zu sagen.

Nicht die viel zitierte leichte Unterhaltung, nein, schwere - heavy Entertainment - hat er im Angebot.

Mit diesem ebenso witzig-selbstironischen wie pompösen Titel beweist der 42-Jährige, dass er es noch kann: Massenverführer sein, der Magier des großen Popsongs, der Entertainer in bester Frank-Sinatra-Manier, nur mit Kunstpelz und viel mehr Tattoos. Dazu passt, dass Williams den Titel künftig für die Konzerteröffnung nutzen will - als würdiger Nachfolger seines legendären „Let Me Entertain You“.

Wesentliches Verdienst an diesem fett aufgedrehten Wiedererkennungs-Sound hat Guy Chambers, der mit Williams alle seine großen Hits schrieb und nun wieder am Start ist - nach Jahren des Popularitäts-Sinkflugs mit Robbie-Alben, in denen sich Gutes, aber auch Stilverirrungen fanden, sowie Pseudo-Anspruch, der oft nicht recht eingelöst werden konnte.

„Heavy Entertainment Show“ ist ein großartiges Album geworden. Zwar mag unter den 14 Songs einiges Füllmaterial sein, aber die Platte ist stark, vielfarbig und hebt genau das aufs Podest, wofür Robbie Williams seit Jahrzehnten steht, und was er in seiner charmanten Art des Überwältigens durch Frechheit auch im erwähnten Liedtext formuliert: „Charisma ist nicht verhandelbar“, und „Ich werde jetzt strippen und Ihr seid meine Tanzstange“.

Nach der Pseudo-Provokation der Vorab-Single „Party Like A Russian“ überzeugen vor allem Titel wie der potenzielle Tanzflächenliebling „Sensitive“ mit seinem bezwingenden Dance-Appeal und das Elektro-Funk-Stück „Pretty Woman“, das Ed Sheeran geschrieben hat. Mit Rufus Wainwright im Duett driftet das schwelgerische „Hotel Crazy“ stimmlich schön in die Exzentrik, dicke Bläsersätze füllen den Sound.

Wie in Abbas opulentesten Zeiten klingt „I Don’t Want To Hurt You“, pathossatt ist „Sensational“. Leichtfüßiger, filigraner kommen Titel wie „Love My Life“ im „Angel“-Sound daher, eine liebevolle, wenngleich nicht wahnsinnig originelle Vatibotschaft an Töchterchen Theodora (4), der er auf den Weg mitgibt, er wünsche sich, dass sie irgendwann mal sagen kann, sie liebe das Leben. Sohn Charlton (2) wird in „Motherfucker“ angesprochen, wo Papa Robbie auch ein wenig - das ist er sich und den Fans schuldig - sein Bad-Boy-Image zelebriert. „Ich bete, dass unsere Schwäche dich stark macht“, sagt er - und bezieht sich auf seine Ehe mit US-Schauspielerin Ayda Fields, die in Interviews sagt, sie teilten beide denselben verrückten Humor.

Schwach ist Robbie Williams immer wieder gewesen. Drogeneskapaden führten einst zum Rauswurf aus der Teenieband Take That, immer wieder hatte Williams mit Süchten zu tun.

Aktuell kämpft er gegen Rückenschmerzen und bekennt, er zeige eben jetzt einfach häufiger mit dem Finger ins Publikum, das sei sein Ersatz fürs Rumgerenne auf der Bühne. Vor seiner Albumveröffentlichung sprach er auch über Botoxbehandlungen und Kinn-OP für den jüngeren Look. Wenn er sich also auf dem Cover Aug’ in Aug’ mit sich selbst aufbaut, zeigt der Popstar damit auch, wie er mit sich selbst gerungen hat, um wieder hier zu stehen.

Robbie Williams: Heavy Entertainment Show (Sony), Wertung: Fünf von fünf Sternen.

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