Mit neuer Platte an alte Erfolge anknüpfen

Robbie Williams: Keine Angst vor großem Pop

Träumt wieder von einem Welterfolg: Robbie Williams. Foto:  Universal

Kein Zweifel, es ist ihm ernst. Heute erscheint „Take The Crown“ und möchte schon mit der Wahl des Titels erst gar keine Zweifel an der königlichen Strahlkraft jenes Mannes aufkommen lassen, der mit 16 ein Boyband-Weltstar wurde und seitdem nie aufgehört hat, berühmt zu sein.

Robbie William sagt in einem „Making Of“-Video, „ich will die Welt erobern“. Damit die Botschaft garantiert ankommt, schiebt er noch folgende Aussage hinterher: „Diese neuen Songs klingen nach Stadion. Es ist das kommerziellste Album, das ich je gemacht habe“.

Man mag ihn ja, das war noch nie das Problem. Robbie Williams ist ein sympathischer Mensch, sein ständiges Schwanken zwischen Größenwahn und Selbstverachtung hat etwas Rührendes. Frauen wissen seine Erotik zu schätzen. Jetzt ist der 38-Jährige auch noch Vater geworden. Und hat sich sogar für einen Kindsnamen entschieden, der angenehm unspektakulär ist: Theodora Rose, Koseform Teddy.

Inszenierte Versöhnung

Die Strategen seiner Plattenfirma haben gute Arbeit geleistet. Erst initiierte man bei Universal Records vor zwei Jahren die Wiedervereinigung mit Take That sowie die Versöhnung mit Gary Barlow, inklusive einer gemeinsamen Take-That-Platte und einer Tour. Dann schreibt Ex-Erzfeind Barlow auch noch an der neuen Single „Candy“ mit.

„Candy“ ist auch auf dem heute erscheinenden neuen Album kein übler Song. Flott, swingend, sorglos, fröhlich. Sehr Pop.

Und damit repräsentativ für das Album insgesamt. Elf Songs sind drauf, sechs lässt einen die Plattenfirma vorher unter strenger Bewachung hören. Man liest, dass die zweite Hälfte der Platte erwachsener und etwas reifer klingen und das abschließende „Losers“ (ein Duett mit Folksängerin Lissie) in Richtung Country gehen soll.

Unkomplizierte Songs

Aber was wir hören, sind die ersten sechs Songs. Und die sind alle zackbumm, geradeheraus und eher unkompliziert. „All That I Want“ handelt davon, wie Robbie einer Frau an die Wäsche will, musikalisch erinnert das Lied an Disco und 80er-Bands. Auch ein Hauch von U2 lässt sich herausfiltern, der Produzent von „Take The Crown“ ist niemand Geringeres als Gareth „Jacknife“ Lee, der schon mit Snow Patrol, R.E.M. und eben U2 arbeitete und sagt: „Robbie fürchtet sich nicht vor großem Pop.“ In „Gospel“ geht es rockiger zu, das Stück wirkt auf nicht unangenehme Weise altmodisch.

„Be A Boy“ mag sich zwar inhaltlich mit Robbies Entscheidungsunfähigkeit zwischen Immer-noch-Junge-sein-wollen und Endlich-erwachsen-sein-müssen auseinandersetzen, ist aber sonst erschreckend flach. Die Mischung aus Eurovisionsbeitrag und Ballermannpop zündet nicht.

„Different“ wiederum beginnt orchestral, mit Geigern und will ein neues „Angels“ sein, im Refrain allerdings geht der Nummer die Luft aus und er wird zum Schlager.

Auf die Spitze aber treiben Williams, Lee und die beiden australischen Co-Songschreiber Flynn Francis und Tim Metcalfe alias Undercolours ihre Eighties-Retro-Leidenschaft mit „Shit on the Radio“, einer Keyboardlastigen Nummer.

Mit seiner geballten augenzwinkernden, nostalgischen Überflüssigkeit steht der Titel Pate für die gesamte Platte: „Take The Crown“ braucht eigentlich kein Mensch. Macht aber Spaß.

Robbie Williams: „Take the Crown“ (Universal), Wertung: !!!::

Von Steffen Rüth

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