Alan Ayckbourns böse britische Zukunftssatire „Ab jetzt“ im Jungen Theater

Roboter sind bessere Menschen

Müssen miteinander klarkommen: Dirk Böther als Jerome und Elisabeth-Marie Leistikow als Zoe. Foto:  Eulig

Göttingen. „Wenn Menschen sich ein bisschen weniger wie Menschen benehmen würden“, wäre zumindest für Jerome das Leben etwas leichter. Doch lässt sich daraus gleich ableiten, dass Roboter die besseren Menschen sind? Diese Frage wirft der englische Autor Alan Ayckbourn in seinem Zukunftsstück „Ab jetzt“ aus dem Jahr 1988 auf. Tim Egloff hat sie aufgegriffen und daraus für das Junge Theater in Göttingen eine gelungene und überaus komische, mit englischem Humor durchsetzte Inszenierung gemacht, die vom Premierenpublikum am Donnerstag mit lang anhaltendem Applaus belohnt wurde.

Der Komponist Jerome hat seit der Trennung von seiner Frau Corinna eine Schaffensblockade. Am meisten vermisst er seine Tochter Geaine, um deren Sorgerecht er kämpft. Doch das ist nicht einfach, denn er lebt in einem Viertel, in dem Recht und Ordnung außer Kraft sind und die „Töchter der Finsternis“ die Bewohner in Angst und Schrecken versetzen. Jerome hat sich verbarrikadiert, Außenkontakte laufen über Kameras, die Wohnung teilt er sich lediglich mit einem Roboter.

Um Jugendamt und Ex-Frau dennoch von seinen Erziehungsqualitäten zu überzeugen, mietet er eine Schauspielerin, die die fürsorgliche Frau an seiner Seite und Ersatzmutter mimen soll.

Dass diese sich Haushalt und die Gunst Jeromes mit einem Roboter teilen muss, der sich für ein Kindermädchen hält, macht die ganze Angelegenheit jedoch äußerst schwierig.

Dirk Böther spielte Jerome als etwas heruntergekommenen, nervösen Künstler wunderbar mit einem Anflug britischer Zurückhaltung. Elisabeth-Marie Leistikow stellte als chaotische Schauspielerin Zoe und später als auf Zoe programmierter Roboter GOU ihr Talent für komische Rollen unter Beweis.

Die Rolle der zur Hausfrau gewordenen Maschine hatte zuvor Henrike Richter inne, die GOU puppenhaft lächelnd, aber auch zu Wutausbrüchen neigend, eben sehr menschlich, darstellte. Corinna verkörperte sie gelungen als eine am Rande des Nervenzusammenbruchs stehende, verzweifelte Mutter.

Denn Geaine (Udo Eidinger) ist zu einer unausstehlichen Pubertierenden geworden, die ein Junge sein will. Niemand kann sie bändigen. Und auch wenn der Sozialarbeiter (Axel Theune) noch trotzig verkündet „Menschen sind besser als Maschinen“, müssen alle verblüfft zusehen, wie GOU aus Geaine wieder ein braves Mädchen macht.

Dem Motto der Spielzeit entsprechend waren die Zuschauer erstmals „zusammen“ mit den Schauspielern auf der Bühne platziert. Das ließ sie fast zu Besuchern in Jeromes Wohnzimmer werden und führte gar dazu, dass sich ihr Lachen manchmal mit dem der Darsteller mischte.

Wieder am 23., 25., 28.9., Karten: 0551-495015.

Von Carmen Barann

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