Guido Sieber erzählt in der Kasseler Caricatura Musikgeschichte in Porträts

Rock und Käse-Spieße

Musik-Legende: Jimi Hendrix posiert mit Zigarette. Foto: De Filippo

Kassel. Hätte Elvis Presley ein Porträt von sich in Auftrag gegeben, hätte es sicher anders ausgesehen. Auf dem Gemälde von Guido Sieber hängt der Rock-’n’-Roll-Star regungslos in einem Sessel. Seine Augen blicken ins Leere, sein Hemd ist bis zum Bauch aufgeknöpft, und auf dem Tisch neben ihm liegen massenhaft Pillen. Nein, schmeichelhaft sind die Bilder, die jetzt in der Kasseler Caricatura zu sehen sind, nicht. Doch genau das macht die Ausstellung so sehenswert.

Guido Siebers Werke erzählen die Geschichte des Rock ’n’ Roll - mit ungeschönten Einblicken ins Musiker-Leben und ironischen Fan-Porträts. Den frühen Einflüssen räumt der Künstler dabei ebenso viel Raum ein wie den großen Showlegenden. Dem Ausstellungsbesucher begegnen zum Beispiel Robert Johnson, dessen Bluesmusik aus religiösem Gospel hervorging, und der Countrysänger Jimmie Rodgers, der lässig im Cowboy-Outfit posiert. Interessante Hintergründe liefern Texte des Augsburger Autors Franz Dobler, der die Rock- und Popgeschichte unterhaltsam erzählt.

Sieber reizt der Blick hinter die Fassade. Statt werbewirksamem Grinsen und makellosem Äußeren zeigen seine Porträts fleckige Haut, Pickel und Augenringe. Die Rolling Stones malte er unvorteilhaft beim Essen, Ray Charles’ Stirn durchziehen tiefe Furchen und Michael Jacksons Gesicht gleicht einer traurigen Maske. Viele Bilder fangen den Zeitgeist verschiedener Dekaden ein.

Wunderbar zum Beispiel der Blick in ein 60er-Jahre-Wohnzimmer, in dem sich Frauen mit wild toupierten Haaren zu Twist-Klängen verrenken. Vor allem die Details lassen den Betrachter schmunzeln: Auf dem Tisch liegen Gewürzgurken und Käse-Spieße mit Mayo-Dip, Zigaretten und Salzstangen bereit. Die Fans der Beatles wirken in Siebers Bildern weniger ausgelassen. Sie sitzen mit ernsten Mienen um einen Tisch herum, und ihre Haut ist ebenso grau wie Kleidung und Wohnungseinrichtung.

Damit die Ausstellungsbesucher in Stimmung kommen, gibt es übrigens jede Menge Musik aus einer Jukebox. Die steht mitten im Raum und spielt Titel von Chuck Berry bis James Brown.

Rock ’n’ Roll Fever: bis 29. Mai in der Caricatura Kassel (Kulturbahnhof), donnerstags und freitags von 14 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 20 Uhr. Katalog: Edel-Verlag, 39,95 Euro.

Von Pamela De Filippo

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.