Rock ohne Experimente: Das neue Solo-Album von Ärzte-Sänger Farin Urlaub

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Ärzte-Sänger Farin Urlaub

Kassel. Er wurde bereits von einem Wirbelsturm verschluckt. Von Zombies zerfleischt. Mit einer Tankstelle in die Luft gesprengt. Er beging Selbstmord. Stürzte mit einem Fahrstuhl in die Tiefe. Wurde erschossen. Von einer lebendig gewordenen Dusche erstochen. Aber Jan Vetter ist einfach nicht tot zu kriegen.

Es ist mittlerweile zu einem makaberen Running Gag geworden: Der Ärzte-Sänger - besser bekannt unter seinem Künstlernamen Farin Urlaub - stirbt in fast jedem seiner Musikvideos. Auch das Video zu „Herz? Verloren“, der Vorab-Single zum vierten Studio-Solo-Album „Faszination Weltraum“, macht keine Ausnahme: Urlaub lässt sich bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust operieren - und stirbt. Auf manches ist eben Verlass.

So auch auf den Musikstil von Farin Urlaub, der sich seit den letzten drei Alben nicht wesentlich verändert hat: Handgemachter, solider Rock. Mit vielen Gitarren und ordentlich Wumms. Ein bisschen Ska und eine Ballade sind ebenfalls wieder dabei. Fans wissen also, was sie erwartet. Aber musikalische Überraschungen bleiben auf „Faszination Weltraum“ aus. Anders als bei Bela B, Urlaubs Bandkollege bei den Ärzten, der mit dem Country-Album „Bye“ kürzlich ein neues Feld beackerte. Solche Experimentierfreudigkeit hätte auch Urlaubs Platte gut getan.

Ärzte-Fans haben wenig zu meckern

Ärzte-Fans werden am Album wenig zu meckern haben, ist es doch musikalisch nah dran an den Werken der Pop-Punker. Nur dass er es mit der zehnköpfigen Band Racing Team eingespielt hat. Auch textlich bleibt Urlaub seinem Stil treu. Schmerzfrei reimt er „sieht“ auf „Innenstadtgebiet“. Keine große Dichtkunst, aber spaßig. Der Blondschopf singt über Newton und über Architekturkritik. Es gibt ein Tanzlied, das von Literatur handelt. Mit Textzeilen wie: „Wenn man im Mondschein mit einem Einhorn spazieren geht und Elfen trifft, sollte man den eigenen Meskalinkonsum gegebenenfalls kritisch hinterfragen“. Herrlich verkopft und witzig.

Das Lied „Fan“, in dem er mit nörgelnden Anhängern abrechnet, hätte er sich jedoch verkneifen können. Mit den Ärzten hatte er in Songs wie „zeiDverschwÄndung“ und „Bravopunks“ solche Themen selbstironisch verarbeitet. In „Fan“ klingt es irgendwie verbissen. Aber Fans, die sich darüber ärgern, können ihm ja beim Sterben zuschauen. Farin Urlaub Racing Team: Faszination Weltraum. (Völker hört die Tonträger) Wertung: vier von fünf Sternen

Von Marc Hörcher

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