Rock und Romantik: Vierkanttretlager auf „Krieg&Krieg“-Tour

Volle Kraft voraus: Die Band Vierkanttretlager mit Frontmann Max Richard Leßmann (rechts vorn). Foto: Proft

Kassel. Eventuell könnte jemand einmal die Schlachthofbühne auf Schlaglöcher untersuchen, denn beim Konzert der Band Vierkanttretlager am Donnerstagabend ging es doch recht hitzig zu. In einem weißen Trainingsanzug sprang Sänger Max Richard Leßmann energisch über die Bühne und machte dem Publikum klar: „Dies ist eine Rockshow!“

Mit dem Song „Krieg&Krieg“ eröffnete die Gruppe dementsprechend konsequent den Abend. Nur wenigen deutschsprachigen Bands gelingt es so überzeugend, die Poesie der deutschen Sprache mit handwerklich gut gemachtem Rock zu verbinden, der weit entfernt ist von den ewig öden Schrammelgitarren.

Ein kleines Stück Heimat brachten die Jungs aus Husum mit einem Schifferklavier auf die Bühne. Doch gleich darauf war Schluss mit dem Idyll: „Haltet euch lieb, spielt Krieg& Krieg!“, raunte Leßmann mit seiner wunderschönen, und doch etwas an einen Hafenarbeiter erinnernden Stimme ins Mikrofon. Er ist so etwas wie der Lars Eidinger unter den Rockmusikern. Der blonde Jüngling hetzt panisch über die Bühne, reißt seine Bandkollegen liebevoll an sich und umklammert theatralisch den Bühnenpfeiler.

Von dem etwas schüchternen Publikum ließ sich die Band nicht irritieren und gab eine Stunde lang 100 Prozent. Mutig forderten die 50 begeisterten Fans am Ende ihre Zugabe ein, die die Band direkt aus dem dunklen Zuschauerraum mit dem Song „Schweigen“ gab. Ein wunderbar intimer Moment, wie er nur bei kleinen Konzerten entsteht. Denn es gibt sie auch hier, die leisen, zarten Töne, in denen klar wird: Hinter der radikalen Rampensau verbirgt sich irgendwo ein ganz harter Romantiker.

Von Philine Proft

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