Die Rock-Welt trauert um Jon Lord

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Jon Lord (1941-2012). Das Foto entstand in Ungarn am 16. July 2011, genau ein Jahr vor seinem Tod.

London. Noch vor zwei Wochen teilte Jon Lord auf seiner Website seinen deutschen Fans mit, dass sie sich wegen der Verschiebung eines für den 6. Juli in Hagen geplanten Konzerts keine Sorgen machen müssen. „Meine Behandlung dauert nur etwas länger“ schrieb er da.

Zu dem Konzert wird es nicht mehr kommen. Am späten Montagabend gaben Angehörige an gleicher Stelle „mit großer Trauer“ bekannt, dass der legendäre Keyboard-Spieler „nach einem langen Kampf gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs“ an einer Lungenembolie verstarb. Zu den Ersten, die kondolierten, gehörte U2-Schlagzeuger Larry Mullen.

Jon Lord war mit dem für ihn typischen Hammond-Orgel-Sound und als Texter an einigen der größten Rock-Hits aller Zeiten beteiligt: Smoke on the Water, Black Night, Speed King, Highway Star und Child In Time - der Klassiker schlechthin.

Dank seines Studiums und seiner klassischen Klavierausbildung war er der kreative Ideengeber der Band, die mit Ritchie Blackmore an der Gitarre noch einen zweiten Protagonisten hatte.

Die beiden zoffen sich in klassischer Rockstar-Manier, was zu gelegentlichen Austrittsdrohungen des einen und des anderen führte. Doch gemeinsam standen sie, zumindest bis zur ersten Trennung 1976, auf einer Stufe mit Led Zeppelin und den Rolling Stones, füllten wie sie weltweit die größten Konzert-Arenen.

Klassik und Rock

Lord war es auch, der als erster Rockmusiker eine Symbiose zwischen klassischer und Rockmusik schuf. So erschien Child In Time zunächst auf dem Purple-Album Concerto for Group and Orchestra (1969) bevor es auf Deep Purple in Rock seinen Siegeszug um die Welt antrat.

Jon Lord (1941-2012) 1969 beim legendären Concerto For Group And Orchestra

Was er mit Deep Purple nicht verwirklichen konnte, veröffentlichte Lord auf erfolgreichen Solo-Alben wie Gemini Suite (1971), Windows (1974) und Sarabande (1976). Auffällig war eine starke Affinität zur Musik von Johann Sebastian Bach, die insbesondere bei dem Sarabande-Album, beim Intro zu Child In Time und dem Orgelsolo in Highway Star zum Tragen kam, wo er die Akkordfolge in den für Bach typischen gebrochenen Dreiklängen spielte.

Nach der Trennung von Deep Purple im Jahre 2002 gründete Lord die Blues Band Hoochie Coochie Men, mit der er noch im vergangenen Jahr auf Tournee war. Am 9. August 2011 teilte er den Fans auf seiner Website mit, dass er an Bauspeicheldrüsenkrebs erkrankt sei.

In Memoriam

In dem Nachruf der Angehörigen auf Jon Lords Website heißt es: „Jon geht von der Dunkelheit ins Licht“.

1970 schrieb Jon Lord:

"Black Night, Black Night
I don’t need the black night
I can’t see the dark night
Maybe I’ll find on the way down the line
That I’m free, free to be me
But black night is a long way from home"

Übersetzung:

Schwarze Nacht, schwarze Nacht,

ich brauche keine schwarze Nacht,

ich kann keine schwarze Nacht mehr sehen.

Vielleicht spüre ich auf meinem Weg an die Grenze,

dass ich (endlich) frei bin,

frei, ich selbst zu sein.

Die schwarze Nacht ist ein langer Weg von zuhause.

Hier können Fans kondolieren

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