Konzert im Schlachthof vor 120 Fans

Rocken bis die Polizei kommt: Die tolle Band Trümmer

Eines der besten Debütalben seit langem: Trümmer mit Sänger Paul Pötsch im Kasseler Schlachthof. Foto: Fischer

Kassel. Ihre im August erschienene CD gilt als bestes deutschsprachiges Debüt seit langem: Im Kasseler Schlachthof bewies die Hamburger Band Trümmer, dass sie die Erwartungen locker erfüllen kann.

An ihr letztes Konzert in Kassel vor einem Jahr konnten sich Paul Pötsch und seine Kollegen von der Hamburger Band Trümmer am Samstag im Schlachthof „nur noch so halb erinnern“, wie der Sänger zugab. Im Januar 2014 war das Hamburger Trio schon mal im Kulturzentrum aufgetreten. Es war ihre erste Tour. Anschließend hatten die Musiker in der Kneipe Mutter bis in den frühen Morgen gefeiert. Als sie in ihr Hotel im Vorderen Westen zurückkehrten, randalierten sie so lang, bis die Polizei kam.

Seither sorgten Trümmer vor allem bei Kritikern für Alarm. Ihre im August erschienene CD gilt als bestes deutschsprachiges Debütalbum seit langem. Es verwunderte also nicht, dass der Schlachthof diesmal schon bei der Frankfurter Vorband Munitors mit 120 Fans voll war. „Das sind ungefähr 500 Prozent mehr als beim letzten Mal. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte Pötsch.

Trümmer sind vor allem ein gutes Zeichen für den deutschen Pop. Es gibt doch noch junge Bands, die etwas zu sagen haben - und die bei Älteren das wehmütige Gefühl hervorrufen, dass es schön wäre, noch mal jung zu sein. Ihren rumpeligen Gitarrenrock und zackigen New Wave spielt die live zum Quartett erweiterte Band, als gäbe es kein Morgen.

Pötsch, der aussieht wie Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer mit 14, aber 24 ist, zappelt so wild auf der Bühne herum, dass er bei den Ansagen völlig außer Atem ist. Seine großartigen Texte handeln von der Gentrifizierung Hamburgs, natürlich von Liebe, vor allem aber von der Revolte. In „1000. Kippe“ zitiert er den documenta-Star Ai Weiwei: „If you want to fight the system, you have to fight yourself.“ Wir müssen uns mit uns selbst auseinandersetzen, wenn wir das System, in dem wir perfekt zu funktionieren haben, ändern wollen.

Die Zugaben, zu denen auch der Punk-Klassiker „Teenage Kicks“ von den Undertones gehört, widmet er denen, die „noch zu uns in die Mutter kommen“. Es wurde wieder eine lange Nacht in der Kneipe. Von einem Polizeieinsatz ist diesmal aber nichts bekannt.

Das Album „Trümmer“ ist bei Pias erschienen.

Von Matthias Lohr

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