Festival-Auftritt in Fritzlar

Metal-Queen: Doro Pesch im Interview: „Gefühl gibt es nicht am Computer“

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Hardrock-Star: Doro Pesch.

Doro Pesch ist die Metal-Queen - und tritt am Freitag beim Festival Rock am Stück in Fritzlar-Geismar (Schwalm-Eder-Kreis) auf. Wir haben die Hardrockerin im Interview.

Sie ist die Metal-Queen: Doro Pesch. Die Hardrockerin, die am Freitag beim Festival Rock am Stück in Fritzlar-Geismar (Schwalm-Eder-Kreis) auf der Bühne steht, spricht im Interview über Frauen in der Szene, Kutten aus Kunstleder und darüber, was ihr Angst macht. 

Zur Metalmusik gehört die Lederkutte. Sie treten für Kunstleder ein. Wie kommt das bei den harten Jungs an?

Doro Pesch: Die meisten Metaller sind unheimlich tierlieb, ich habe auch schon Autogramme für Hunde geschrieben. Und: Ich bin eine totale Tierliebhaberin. Früher habe ich Leder getragen, bis mir klar wurde, wie grausam die Produktion ist. Ich möchte Sachen machen, die etwas Positives bewirken. Kunstleder sieht aus wie Leder und man kann es waschen.

Sie spielen bei großen und auch kleinen Festivals wie Rock am Stück, wo Sie bereits 2013 auf der Bühne standen. Was reizt Sie daran?

Pesch:Das Herz. Denn da steckt ganz viel Herzblut der Veranstalter und der Fans drin. Bei Rock am Stück ist die Stimmung grandios und ich habe das Gefühl, man kann die Leute mit der Musik glücklich machen. Es muss kein großer Ort sein, Hauptsache die Stimmung ist toll und das ist sie in Fritzlar. Ich freue mich riesig drauf.

Was außer dem Applaus bekommen Sie sonst von der Stimmung im Publikum mit?

Pesch:Ganz viel. In Fritzlar sind auch Familien mit Kindern dabei. Ich finde es toll, wenn Kids Metaller werden wollen – vor allem Mädchen.

Stichwort Mädchen: Gerade im Metal gibt es vergleichsweise wenige Frauenbands.

Pesch: Es ist schon besser geworden, es gibt tolle Frauen – bei Nightwish oder Tarja zum Beispiel. Ich versuche auch immer eine Vorband mit Sängerin zu haben. Aber es stimmt, wenn wir ein Bandmitglied suchten, hat sich bei mir noch nie eine Frau vorgestellt. Metal läuft nicht alltäglich im Radio, deshalb ist die Musik nicht so zugänglich wie Popmusik. Man muss sie sich erschließen.

Sie bringen im August zwei Alben raus. Spielen Sie Songs davon bei Rock am Stück?

Pesch: Die Hymne „All For Metal“ wollen wir auf jeden Fall spielen. Den Song hört man einmal und kann ihn sofort laut mitgröhlen. Auch mit Bierchen drin. Je schräger, je besser. Dann spielen wir alle Highlights. „All We Are“ und „Burning The Witches“, „Für immer“ und „Herzblut“ haben wir dabei. Die Zugaben dürfen sich die Fans aussuchen – wir spielen, was das Herz begehrt.

Im vergangenen Jahr haben Sie zum ersten Mal ein deutschsprachiges Album veröffentlicht. Auf den neuen Platten ist „Freunde fürs Leben“ der einzige deutsche Song – warum?

Pesch:Ich habe vor 35 Jahren mit englischen Songs angefangen, das ist die internationale Metalsprache. Aber ich mache öfter sprachliche Schlenker, habe auf Spanisch, Französisch, Portugiesisch gesungen. Bei den Bonussongs ist diesmal mit „Caruso“ ein italienischer Titel dabei. Ein deutscher Song muss speziell sein und Magie haben.

Hymnen, schnelle Kracher und Balladen gibt es von Ihnen. In was steckt mehr Doro?

Pesch: In allen gleich viel, weil jeder Song seine Geschichte hat.

Ein trauriger Anlass hat zu den neuen Alben geführt – der Tod von Lemmy Kilmister von der Rockband Motörhead.

Pesch: Ja, er war mein bester Freund in der Musikwelt, zusammen mit Ronnie James Dio (Black Sabbath). Als Lemmy gegangen ist, hat es mir das Herz gebrochen. Auf dem Flug zur Beerdigung kam mir die Idee zum Song „Living Life To The Fullest“. Die Melodie kam wie rausgeschossen, ich habe sie auf meinem Handy aufgenommen und dann den Song geschrieben, um ihn zu ehren. Damit ging alles los und es entstanden mehr Ideen. Es hat mit Lemmy angefangen und hört mit ihm auf: Der letzte Song „Lost In The Ozone“ ist ein Motörhead-Cover – die Platte ist ihm gewidmet.

Durch die Kostenlos-Mentalität im Internet verdient man als Musiker immer weniger. Müssen Sie touren ohne Ende?

Pesch:In den 80er-Jahren sind wir auf Tour gegangen, um die Plattenverkäufe zu unterstützen, heute muss man auf Tour gehen, um sich überhaupt als Musiker durchzuboxen. In manchen Ländern gibt es keine physischen Tonträger mehr. Das ist schade, weil ich es liebe, eine Platte mit einem tollen Cover in der Hand zu halten, das ist eine Kunstform. Zum Glück geht Livemusik noch gut, die Festivals sind meist ausverkauft – Gefühl gibt es nicht am Computer.

„Resistance“ ist ein sehr politischer Song. Wie wichtig ist es Ihnen, Stellung zu beziehen?

Pesch: Sehr! „Resistance“ habe ich geschrieben, als Wahlkampf in Amerika war. In dem Land hat sich viel verändert, die Stimmung ist sehr aggressiv geworden. Ich fühle mich dort nicht mehr so wohl wie in den 80ern und 90ern. Weil man für die guten Werte kämpfen muss, heißt der Song „Resistance“. Widerstand. Ich war ein Riesenfan von Obama, jetzt ist alles so schroff. Das macht mir Angst.

Rock am Stück mit Doro, Accept und mehr: 19. bis 21. Juli, Fritzlar. Karten: 0561/203204.

Doppel-CD: Forever Warriors/Forever United, ab 17. August.

Zur Person:

Doro Pesch (54, Düsseldorf) ist eine der wenigen Frauen, die in der Heavy-Metal-Musikszene eine Karriere hingelegt haben. Seit über 35 Jahren steht die Metal-Queen auf der Bühne und veröffentlicht im August gleich zwei neue Alben mit insgesamt 25 Songs. Bekannt geworden als Sängerin der Band Warlock, etablierte sie sich Mitte der 1990er-Jahre als Solokünstlerin. Sie ist solo, Vegetarierin, lebt in Düsseldorf und New York.

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