Rockstar Thees Uhlmann: „Kassel ist unser Ding“

Zuletzt auf Lesetour, jetzt wieder als Musiker auf der Bühne: Sänger Thees Uhlmann (42). Foto: dpa

Musiker Thees Uhlmann gilt als Malocher mit Herz. Nun ist der Tomte-Frontmann auch noch Bestsellerautor. Wir sprachen mit ihm vor seiner Rückkehr ins Kasseler Kulturzelt.

Als Thees Uhlmann 2011 sein erstes Solo-Album herausbrachte, weigerte sich der Musiker, Songs seiner erfolgreichen Band Tomte zu spielen. „Wenn wir untergehen, dann gehen wir richtig unter“, sagte er sich. Heute gilt der 42-Jährige als „der deutsche Bruce Springsteen“, ist Bestsellerautor und einer der Stars im Kasseler Kulturzelt, das an diesem Freitag mit Nils Landgrens Funk Unit eröffnet wird. Wir sprachen mit Uhlmann vor seinem Auftritt am 10. August.

Bei Ihrem bislang letzten Konzert im Kasseler Kulturzelt vor zwei Jahren sagten Sie: „Das werde ich ganz lange nicht vergessen.“ An was können Sie sich heute noch erinnern?

Es war ein wunderschöner Tag. Nachmittags bin ich am Fluss spazieren gegangen. Das alles ist mir auch deshalb im Gedächtnis geblieben, weil wir in Kassel zum ersten Mal gedacht haben: Unser Ding ist die Kleinstadt. Auf unserer Tour gab es eine glamouröse Reihe von überschaubaren Städten, wo wir herausragende Konzerte gespielt haben: Wolfsburg, Magdeburg, Ulm, Kassel. Wir wären ein bisschen überfordert, wenn wir in Las Vegas spielen müssten, aber Kassel, das können wir. Da stehen wir vor unseresgleichen.

Es war auch ein schöner Moment, als Sie fragten, wer vom Dorf komme und sich zwei Drittel der Fans meldeten.

Stimmt. Kassel ist übrigens schon seit meiner Kindheit ein besonderer Ort. Immer wenn wir von Hemmoor bei Cuxhaven aus in den Süden gefahren sind, haben wir in Kassel den ersten Halt gemacht. Da hatten wir die Hälfte hinter uns.

Es ist ungewöhnlich für einen Popstar, dass er schon um neun Uhr Interviews führt. Zudem schreiben Sie bis tief in die Nacht Songs. Wie kommt man mit so wenig Schlaf aus?

Das kreative Arbeiten früh am Morgen ist mein Ding. Ich muss ohnehin wegen meiner Tochter früh aufstehen. Wenn sie mit dem Rad zur Schule fährt, setze ich mich ans Klavier, an die Gitarre oder den leeren Zettel. Es gibt nichts Schöneres, als um fünf Uhr anzufangen und um neun das erste Mal wieder müde zu werden. Da merkt man auch: Kinder morgens fertigzumachen, ist anstrengender, als auf Tour zu sein.

Mit Ihrem wunderbaren Debütroman „Sophie, der Tod und ich“ haben Sie einen Überraschungsbestseller gelandet. Inwiefern hat das den Musiker Thees Uhlmann verändert?

Das weiß ich noch nicht, weil ich gerade erst wieder zum Musiker werde. Wenn man mit 20 Jahren vom Erfolg überrannt wird, ist das sicherlich schwierig. Wie bei Robbie Williams, der von seinen Fans gleich bedingungslos geliebt wurde. Da muss man natürlich denken, man sei der Größte. Aber ich bin schon über 40 und freue mich auch, wenn etwa Dunja Hayali sagt, sie finde mein Buch voll gut. Das ändert aber nichts daran, dass das Lieblingsessen meiner Tochter Kartoffeln mit Quark ist. Der späte Erfolg ist eine ehrlichere Freude.

Vom Vorschuss zum fertigen Buch haben Sie zwölf Jahre gebraucht. So lang will der Verlag sicher nicht bis zum nächsten Bestseller warten.

Würden sie aber. Man hat mir schon gesagt, dass ich mir Zeit lassen kann.

Sie haben einmal gesagt, Sie möchten, dass die Musiker Ihrer Band Ihre Riffs genial finden, weil Sie sich selbst nicht als genial empfinden. Wie groß sind Ihre Selbstzweifel?

Uhlmann: Selbstzweifel sind nichts Schlechtes, sondern ein guter Berater, wenn man einen so komischen Beruf ergriffen hat wie Sie und ich. Nur als Aufpasser in einem Atomraketensilo sollte man keine Selbstzweifel haben. Ich liebe meinen Schlagzeuger und meinen Bassisten. Wenn die mir sagen, dass ich etwas gut gemacht habe, ist das mehr wert, als wenn ich zu mir selbst sagen würde: „Toll, Thees, wie geil, dass du heute wieder aufgestanden bist.“ Es gibt viel zu viele Leute, die sich selbst so toll finden, dass ihnen ein bisschen Demut guttäte.

Thees Uhlmann und Band: 10. August, Kasseler Kulturzelt an der Drahtbrücke. Tickets: HNA-Kartenservice, 0561/203-204. www.kulturzelt-kassel.de

Zur Person

Geboren: am 16. April 1974 in Hemmoor

Ausbildung: Politik- und Englischstudium (abgebrochen)

Beruf: Sänger und Gitarrist (zunächst mit der Indierock-Band Tomte, seit 2011 solo), Chef der Hamburger Plattenfirma Grand Hotel van Cleef.

Privates: Vater einer Tochter, lebt in Berlin.

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