Kabarettist Guido Cantz als reflektierender Jungpapa in der Baunataler Stadthalle

Rollatoren vor der Hüpfburg

Unendliche Weiten der Existenz: Guido Cantz bei seinem Auftritt beim Baunataler Sommer. Foto: Schachtschneider

Inhaltlich so schlank wie eine Speisekarte vom Steh-imbiss, doch mit reichlich Esprit inszeniert - so präsentierte Fernsehstar Guido Cantz sein aktuelles Tourprogramm „Ich will ein Kind von Dir“ am Sonntagabend in der gut gefüllten Baunataler Stadthalle.

Die Überschrift bezog sich nicht auf die Analyse des ultimativen Angebots weiblicher Fans, die einem Star alles zu geben bereit sind. Vielmehr ging es darum, die bewusste Beziehungsentscheidung, Kinder zu bekommen, mit entsprechenden Zukunftsperspektiven zu legitimieren.

Wenn sich diesem Thema der 40-jährige Kölner Comedian, Fernsehmoderator („Verstehen Sie Spaß?“) und Karnevalsprofi Guido Cantz annimmt, sollte man natürlich keine ernsthaften Ratschläge erwarten. Wenn ihm auch die Inhaltsverzeichnisse von Zeitschriften wie „Eltern und Kind“ oder „Family & Co.“ als Ausgangspunkt für seine Betrachtungen die kabarettistische Schatztruhe füllen. Zum Beispiel, dass Franziska van Almsick ihrem Sohn den Namen Don Hugo verpasste, Kinderwagen heutzutage „Joggsters Twist Facelift“ und „Shop n’drive Turbo“ heißen können und man im neu erstandenen Van unbedingt auf kopfstützenintegrierte Bildschirme mit Anschlüssen für Playstation und iPod achten sollte.

Auch dem späteren Rentnerdasein widmet Cantz ausgiebig seine Fantasie. Die Suche nach Ersatzteilen auf dem Friedhof müsste man seinem Sohn Paul später einmal durchaus zumuten. Und dass man im Rausch des Jugendwahns bald geparkte Rollatoren vor der Hüpfburg sehen wird, sollte niemanden überraschen. Dann mahnende Songs am Klavier über mordende Ehepartnerinnen, Luxusweiber und Frauen mit Namen, nach denen man gern Tornados benennt.

Cantz wirbelt durch die unendlichen Weiten der Existenz, würzt das Ganze mit autobiografischen und politischen Einwürfen und hinterlässt eine Spur des Wohlbefindens. Er haut den Lukas nicht ständig unter die Zwölf und lockt mit Themen wie Stau auf der Autobahn, Fast-Food-Bestellung und Nordic Walking auch keinen Diogenes aus der Tonne. Aber er ist locker beim Vortrag, bietet mit frechem Charme und abgezockter Professionalität eine spritzige Mischung und findet den Kontakt zum Publikum.

Als grandioser Stimmenimitator leitet er mit Inge Meysel die letzte Zugabe ein, die von allen Besuchern mit Begeisterung und einem heftigen Schlussapplaus gesanglich und choreografisch mitgestaltet wird.

Von Andreas Köthe

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