Pianistin Anke Helfrich und ihr Trio zu Gast im Schlachthof

Romantik mit Pauke

Ausgezeichnete Pianistin: Anke Helfrich. Foto: Malmus

Kassel. Ein kleines indisches Harmonium intoniert am Mittwoch im Kulturzentrum Schlachthof den Spirit des Jazz. Fein legt sich der Blues von Kurt Weills „September Song“ in den Raum. Doch die Reminiszenz währt nur einen Moment, dann greift Anke Helfrich in die Flügeltasten und katapultiert den Klassiker harmonisch stark erweitert in die Gegenwart.

Ihre an diesem Abend vorgestellte aktuelle CD „Stormproof“ eröffnet die Pianistin interessanterweise mit einem Paukenschlag und einer Komposition des zweiten musikalischen Vorbilds, „Hackensack“ von Thelonius Monk.

Aus diesen zwei Polen hat Anke Helfrich ihren eigenen Kompositionsstil entwickelt: Offene Strukturen mit überraschenden Wendungen verbinden fast romantische Melodiebögen, die vom souveränen Bassisten Henning Sieverts gestrichen werden, mit eruptiven Ausbrüchen, die der Meistertrommler Dejan Terzic vehement unterfüttert.

Anke Helfrich bietet dabei in ihrer quirlig humorvollen Art durchaus programmatische Beschreibungen an, um sich in die vertrackten Klanggemälde wie „Der Turm“ mit seinen asymmetrischen Beats oder „Sehnsucht“ mit seinen verschachtelten Harmonieverbindungen einzuhören.

Eine weitere Domäne von Anke Helfrich besteht im Weiterdenken der funky Grooves der 60er-Jahre, an diesem Abend leider nur kurz am knurrigen Fender Rhodes dargeboten. Eine originelle Kuriosität liefert hingegen Dejan Terzic, der gelegentlich mit der rechten Hand zusätzlich auf einem Glockenspiel Melodieelemente übernimmt. So erlebten die begeisterten Zuhörer ein abwechslungsreiches Konzert mit einer wendigen Pianistin, die zu Recht zu den führenden Deutschlands gezählt wird.

Von Hartmut Schmidt

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