Lamb im Kasseler Kulturzelt: Musik für einsame Spaziergänge

Entrückte Ausstrahlung, raffiniertes Kleid: Sängerin Louise Rhodes von Lamb im Kulturzelt. Foto: Koch

Kassel. Schon von Gorecki gehört? Wer sich für neue klassische Musik interessiert, wird an den polnischen Komponisten Henryk Mikolaj Górecki (1933-2010) denken, der in den 1990er-Jahren einen riesigen Erfolg mit seiner schwermütigen 3. Sinfonie hatte.

Sogar in die Popcharts schaffte er es damit. Diese „Sinfonie der Klagelieder“ hat die englische Band Lamb zu einem ihrer größten Hits inspiriert. Am Samstag war der Song „Gorecki“ im fast ausverkauften Kulturzelt selbstverständlich auch dabei.

Das Stück aus dem Jahr 1997 ist ein prima Beispiel für die Ästhetik der Musiker, die als Trip-Hop-Avantgardisten der ersten Stunde gelten. Da gibt es eine besinnliche Melodie wie ein Gebet. Elektronische Sounds sind unterlegt, und nach einiger Zeit gerät der Song mit schnellen Beats richtig in Fahrt. Man kann es auf die Formel bringen: Romantik und Technik gehen eine merkwürdig harmonische Ehe ein.

Mit Lamb im Kopfhörer lassen sich einsame Spaziergänge sicher noch elegischer gestalten. Im Konzert fasziniert das kultige Duo auf andere Weise, auch weil die Protagonisten so unterschiedlich auftreten. Louise Rhodes steuert eine ruhige, warm klingende Stimme bei und strahlt etwas fast Entrücktes aus. Wenn die Sängerin einige Schritte seitwärts tut, bemerkt man freilich eine Garderobe, die so raffiniert ist wie das elektronische Klanggewand. Stichwort: Rückendekolleté.

„Come on, Kassel!“

Andy Barlow, zuständig für Elektronik und Schlagzeug, ist ein Energiebündel. „Come on, Kassel!“, fordert er die Leute auf. Dann wieder verlässt er sein technisches Zubehör, um druckvoll das Schlagzeug zu bearbeiten. Mit dabei sind noch der ebenfalls wild aufspielende Bassist Jon Thorne und ein Gehilfe, der die Elektronik übernimmt, wenn sein Chef die Drums bedient.

Komplett wird das Gesamtkunstwerk durch visuelle Effekte, Beleuchtung und rasch wechselnde Bilder. Das Publikum gerät immer mehr in Bewegung - und wird mit einem fulminanten Zugabenblock belohnt.

Nächster Termin im Kulturzelt am Mittwoch, 19.30 Uhr: Eric Bibb & Habib Koité Trio.

Von Georg Pepl

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