Romantisch statt wild: Nils Wülker im Theaterstübchen

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Improvisierte auf hohem Niveau: Jazztrompeter Nils Wülker (hier mit Flügelhorn).

Kassel. Bei der Beschreibung der Musik des deutschen Jazztrompeters Nils Wülker bedienen sich Kritiker und Fans der gleichen Begrifflichkeit. Romantisch und groovy, harmonisch und nicht so wild, eingängige Songs mit sauberer Spieltechnik von gut ausgebildeten Instrumentalisten vorgetragen.

Das würden wahrscheinlich alle Gäste nach seinem Konzert im ausverkauften Theaterstübchen sofort unterschreiben. Dreht man die Medaille um, sind es genau diese Attribute, die Musikern wie Wülker und Till Brönner den Vorwurf einbringen, aus einer wohlbehüteten, mittelständischen Biografie heraus mit Geld für teure Privatschulen und Konservatorien kommerzielle Fahrstuhlmusik zu produzieren. Gelernt und nicht gelebt, sagen die Kritiker.

Der ausgeprägte Blick auf Verkaufszahlen lässt künstlerische Konsequenz vermissen. Coltrane, Parker und Davis definierten Jazz als latente Aufforderung zum Experiment, zur Innovation, zur Reflektion. Einmalig und unberechenbar sollte es klingen, und jeder war auf der Suche nach „seinem Sound“. Wülker ist Mainstream. Kein Ton, kein Beat und kein Akkord ist neu oder ambitioniert, etwas Neues zu entdecken.

Auf dieser Basis funktioniert seine Band perfekt. Die wirkungsvollsten Soli lieferte Schlagzeuger Benny Greb. Feinfühlig in der Dramaturgie, fantasievoll in der Umschreibung und euphorisch den Höhepunkt fokussierend. Gitarrist Arne Jansen wirkte bei seinen Soli etwas fest, sonst aber elegant. Bassist Edward Maclean und Pianist Lars Duppler erledigten unauffällig-souverän ihren Job, und Wülker präsentierte geschmackvoll dosierte Improvisationsrituale auf hohem Niveau. Viel Applaus und zwei Zugaben.

Von Andreas Köthe

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