Das Benedikt Jahnel Trio gastierte im Schlachthof - und erfüllte die Erwartungen nicht

Romantische Bausteine

Viele Vorschusslorbeeren: Jazzpianist Benedikt Jahnel (von links) mit den Musikerkollegen Owen Howard und Kontrabassist Antonio Miguel im Schlachthof. Fotos:  Schoelzchen

Kassel. Mehrere Musikpreise hat der Jazzpianist Benedikt Jahnel (29) schon eingeheimst, die Fachpresse lobt ihn sogar als einen Hoffnungsträger der aktuellen Jazzszene. Interessantes verspricht sein Album „Modular Concepts“, denn es bricht mit simplen Songstrukturen zugunsten eines kombinatorischen Spiels mit musikalischen Bausteinen.

Die intellektuelle Ausrichtung kommt nicht von ungefähr. Jahnel hat neben der Welt der Töne noch eine andere große Leidenschaft: Er studiert in Berlin Mathematik mit dem Schwerpunkt Wahrscheinlichkeitstheorie.

Das alles mutet außergewöhnlich an, aber leider wurden die hohen Erwartungen an Jahnels Auftritt im Kulturzentrum Schlachthof nur bedingt erfüllt.

Mäßig originell

Das bedeutungsvoll klingende Konzept entpuppte sich als Vorlage für mäßig originelle Romantizismen. Es gab rauschende Klavierfigurationen, hin und wieder sogar mit effekthascherischem Überkreuzen der Hände, es gab Akkordblöcke, manchmal so donnernd wie von Rachmaninow. Das einzige genuine Jazzstück, Henry Mancinis „Days of Wine and Roses“, wurde gut, aber nicht herausragend gespielt.

Dass Jahnels Klangmalerei an jenem Abend einige Wünsche offenließ, lag sicher auch am Gesamtklang des Trios mit dem Kontrabassisten Antonio Miguel und dem Schlagzeuger Owen Howard. Das Schlagzeug tönte scheppernd, hohl und aggressiv, machte den Triosound unausgegoren. Gemischt waren denn auch die Reaktionen der 30 Zuhörer. Manche applaudierten fasziniert, doch jemand flüsterte dem Kritiker ins Ohr: „Schrecklich.“

Von Georg Pepl

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