Romanze unter Kindern: Regisseur Wes Anderson über seinen neuen Kinofilm

Im neuen Film „Moonrise Kingdom“ erzählt US-Regisseur Wes Anderson die zu Herzen gehende Lovestory zweier Teenager im prüden Amerika der 60er-Jahre.

Auf einer Insel vor der Küste Neuenglands reißen der hochbegabte Pfadfinder Sam (Jared Gilman) und die belesene Rechtsanwaltstochter Suzy (Kara Hayward) aus, um in der Natur ihr Glück jenseits der Erwachsenenwelt zu suchen. Die mit Edward Norton, Bruce Willis, Frances McDormand, Bill Murray, Tilda Swinton und Harvey Keitel hochkarätig besetzte Tragikomödie lief zur Eröffnung der Festspiele in Cannes.

Waren Sie als Kind selbst bei den Pfadfindern?

Wes Anderson: Vier Monate. Ich habe es jedoch nicht geschafft, mir irgendein Abzeichen zu verdienen. Es hat mir Spaß gemacht, aber ich war einfach nicht sonderlich begabt in diesen Dingen.

Betrachten Sie die Pfadfinder deshalb mit dieser ungewöhnlichen Mischung aus Ironie und Respekt?

Anderson: Ich mag schon den Ausdruck „Pfadfinderbewegung“ - das hört sich doch ungeheuer altertümlich und bedeutungsvoll an. Es stimmt, dass man da nicht gleich an Leute wie James Dean denkt. Es ist sicher nicht das Coolste, was man als Jugendlicher machen kann. Aber es ist eine gute Sache. Wenn man sich zum „Eagle Scout“ hochgearbeitet hat, muss man einiges leisten. Bill Clinton und eine Menge beeindruckende Persönlichkeiten waren „Eagle Scouts“. Selbst dem coolsten Lead-Sänger in einer Punk-Band flößt ein „Eagle Scout“ Respekt ein. Das sind Leute, die Dinge gelernt haben, die wir heute nicht mehr draufhaben.

Harvey Keitel spielt den „Eagle Scout“. Der ist mindestens so cool wie James Dean.

Anderson: Ja. Man glaubt es kaum, aber Harvey Keitel war als Kind selbst bei den Pfadfindern. Der Hauptgrund für seine Zusage war, dass er sich der Geschichte aus nostalgischen Gründen verbunden fühlte.

Warum haben Sie den Film in den 60ern angesiedelt?

Anderson: Das war weniger eine durchdachte, konzeptionelle Entscheidung. Am Anfang standen das Musikstück „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ von Benjamin Britten und die Stimme des Jungen, der auf dieser Schallplatte die Musik und das Orchester erklärt. Daraus hat sich die Geschichte langsam entwickelt, und weil diese Musik und der Klang dieser Stimme aus den 60ern stammen, bin ich mit meiner Erzählung in dieser Ära gelandet. Der Film zeigt ein Stück von Amerika, das heute nicht mehr existiert.

Die Echos der Kindheit sind in vielen Ihrer Filme präsent. Was hat Sie dazu verleitet, sich auf eine Geschichte mit Kindern als Hauptfiguren einzulassen?

Anderson: Ich wollte seit Langem einen Film über eine Romanze zwischen zwei Kindern drehen, die ihre Liebe so ernst nehmen, dass die Erwachsenen nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Sie sind geschockt, weil sich die Kinder mit ihren radikalen Emotionen ihrer Kontrolle entziehen. Ich hatte mich in die Idee verliebt, dass sie ausreißen und ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Die Arbeit mit Kinderdarstellern ist für mich nicht einfacher oder schwerer als mit Erwachsenen. Das Schwierige ist, das richtige Kind für die Rolle zu finden. Wir haben ein Jahr lang an Schulen nach unseren Hauptdarstellern gesucht.

Die Farbauswahl spielt immer eine große Rolle. In „Moonrise Kingdom“ ist Gelb die dominante Farbe.

Anderson: Ich lebe in Gelb. Meine ganze Wohnung ist gelb gestrichen. Aber ich habe immer das Gefühl, dass Worte und Farben nicht zusammen passen. Ich kann nicht erklären, warum ich diese oder jene Farbe benutze.

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