Rosiges Jahresende: Die Kölner Band Erdmöbel in Göttingen

Musik von rätselhafter Schönheit: Sänger und Gitarrist Markus Berges (links) mit Bassist Ekki Maas im DT Göttingen. Foto: Jelinek

Göttingen. Wenn man sich etwas wünschen könnte fürs neue Jahr, wäre es das: Statt des etwas abgekalauerten Dauer-Sketchs „Dinner for one“ sollte das Fernsehen demnächst an Silvester ein Konzert der Kölner Band Erdmöbel übertragen. Eines wie am Montag im Deutschen Theater Göttingen.

In seiner 19-jährigen Geschichte hat das Quartett eine ganze Reihe Lieder geschaffen, die perfekt in die Zeit zwischen den Jahren passen. „Jahresendshowblock“ nannte Bassist Ekki Maas den silvestrigen Zugabenblock mit Liedern wie „Der letzte deutsche Schnee“. Anschließend nahmen die 300 Zuschauer im Großen Haus ihre Schlüsselanhänger und klimperten damit zum Refrain der Weihnachts-Single: „Klingelingeling ding dong, Jesus weint schon.“

Das war zum Heulen schön und zeigte sehr gut, wie die Gruppe funktioniert, die sich nach der DDR-Bezeichnung für Särge benannt hat. Sie mache Kunst, für die man „keine Schulbildung braucht“, hatte Sänger und Gitarrist Markus Berges einmal unserer Zeitung gesagt. Auch in Göttingen sang er mit seiner knarzigen Stimme wieder poetische Texte über „Oer-Erkenschwick“ und eine „Ausstellung über die Liebe im Hygienemuseum Dresden“. Keine Ahnung, was das alles soll, aber es klingt toll.

Die Musik passt ohnehin bestens in ein Theater. Ihren Mix aus Chanson, Rock und dreckigem Easy-Listening-Sound unterfüttern Berges, Maas, Schlagzeuger Christian Wübben und Keyboarder Wolfgang Proppe live mit Posaune (Henning Beckmann) und Querflöte (Christa Becker). Erdmöbel-Lieder klingen immer ein bisschen zu schräg für die Charts. Dazu passt das Outfit: Die Musiker trugen rosa Jacken, Hemden und Pullunder.

Zwischen zwei Liedern sagte Berges einmal zu Maas: „Jetzt ist das Geheimnis verraten. Ich weiß nur noch nicht wovon.“ Die Kritikerlieblinge schaffen eine rätselhafte Schönheit. Nach zwei Stunden lässt die Band das gebannte Publikum den Refrain ihrer Version des Burt-Bacharach-Hits „Close To Me“ singen. Fast zehn Minuten lang trällern alle „nah bei dir“. Hätte Berges nicht irgendwann „Schluss“ gesagt, würden sie jetzt noch singen.

Von Matthias Lohr

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