Rote Bäume im satten Grün: Land-Art-Projekt im Habichtswald

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Großprojekt: Alfred und Eka Bradler verbrauchten für ihr Projekt „Bleeding Trees“ 1,2 Kilometer Filz, 400 Meter Klebeband und 1500 Nieten.

Kassel. Rot ist die Farbe der Liebe. Rot symbolisiert Wärme, aber auch Gefahr. Im Kunstprojekt, das Alfred Bradler zurzeit im Habichtswald realisiert, ist die rote Farbe ein ästhetisches Mittel, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu gewinnen.

„Bleeding Trees“ hat Bradler seine ebenso aufwendige wie anspruchsvolle Arbeit genannt. Seit mehreren Wochen markiert er die Bäume nahe dem Hotel Elfbuchen mit roten Filzbändern, bringt sie auf einer Höhe von drei Metern an. Stamm für Stamm. Inzwischen sind es Hunderte. „Durch diese Markierungen werden die Bäume erst sichtbar“, erklärt Bradler, dessen Frau Eka ihn bei seinem Vorhaben tatkräftig unterstützt. Denn die meisten Menschen würden durch Wälder spazieren, ohne die Natur wirklich wahrzunehmen.

Im Habichtswald wird sich das nun ändern. Denn übersehen kann man die Kunst Bradlers nicht. Durch die roten Filzbänder - insgesamt wurden 1,2 Kilometer des Materials verbraucht - wirkt der Buchenwald wie eine FlächenSkulptur, die die Eigenheiten des Bodens wiedergibt.

Mit der Aktion, bei der selbstverständlich kein Baum beschädigt wurde, setzt Bradler seine künstlerische Arbeit der vergangenen Jahre konsequent fort. Im Oberengadin, in den Dolomiten, auf Zypern und Mallorca markierte er Felsen mit Bändern, in Österreich lenkte er mit der Farbe Rot den Blick auf die Schönheit des Waldes - aber auch auf die Eingriffe des Menschen in die Natur. Denn auch

das ist Alfred Bradler wichtig: Er thematisiert die fortschreitende Zerstörung der natürlichen Ressourcen. Der rot markierte Wald wird so zum Mahnmal.

Dass der in Graz geborene Künstler sein neues Projekt ausgerechnet im Habichtswald umsetzt, ist übrigens der documenta zu verdanken. Vor fünf Jahren nämlich reisten die Bradlers nach Kassel, um sich die Weltkunstausstellung anzusehen - und übernachteten im Hotel Elfbuchen. „Damals haben wir uns in diesen Wald verguckt“, sagt Bradler. Langsam reifte die Idee zur Aktion „Bleeding Trees“, die nun mithilfe der Hotel-Betreiber, Hessen Forst und Naturschutzbehörden umgesetzt wird. Ja sogar die documenta-Leitung findet Bradlers Kunst gut. Bradler hatte vorab mit Carolyn Christov-Bakargiev Kontakt aufgenommen, um Konflikte zu vermeiden. In einem Brief versicherte ihm die Kuratorin, sie habe nichts gegen sein Projekt einzuwenden. Und tatsächlich passen die „Bleeding Trees“ ganz hervorragend zum ökologischen Aspekt der documenta 13.

Bleeding Trees: 23. Juni bis 19. September beim Waldhotel Elfbuchen in Wilhelmshöhe, Vernissage am Samstag, 23. Juni, 17 Uhr. Zur Installation erscheint eine limitierte und signierte Fotomappe mit je vier künstlerischen Fotos.

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