Das „Theater am Fluss“ zeigt im Dock 4 Brechts frühes Stück „Trommeln in der Nacht“

Der rote Mond peitscht die Gefühle hoch

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Mutter Amalie Balicke (Erna Fertinger, hinten), Vater Balicke (René Spitzer) und Anna Balicke (Nadine Bannach).

Kassel. Bertolt Brechts frühes, 1919 entstandenes Stück „Trommeln in der Nacht“ enthält schon viel von dem, was den berühmten Theaterautor auszeichnet:

Das politische Engagement, der zynische wie unterhaltsame Blick auf die Wirren der Nachkriegszeit, und die dramatische Effektivität, die ohne Psychologisierung plakativ und desillusionierend Konflikte sichtbar macht. Das Kasseler Theater am Fluss (TaF) hat sich dieses ausufernden expressionistischen Stücks angenommen, das in schrillen Szenen das Leben vor dem Hintergrund des Berliner Spartakus-Aufstands zeigt.

Im Zentrum steht der aus Kriegsgefangenschaft heimgekehrte, tot geglaubte Andreas Kragler (Frank Böck), der in die Verlobungsfeier seiner schwangeren Braut Anna (Nadine Bannach) mit dem Kriegsgewinnler Murk (Günther Burfeind) hineinplatzt, der sie auf Drängen der Eltern (René Spitzer als zynisch-bulliger Vater Balicke, Erna Fertinger als sentimentale Mutter) zugestimmt hat. Anna wird zerrieben zwischen der alten Liebe und dem Streben nach kleinbürgerlicher Sicherheit.

Regisseur Enri D. Schöner hat das Stück, dem einige kräftige Striche gutgetan hätten, mit eindrucksvoller Schroffheit auf die Bühne gebracht, ohne den grotesk-komischen Charakter zu vernachlässigen. Der immer wieder beschworene „rote Mond“, sichtbar als Projektion zwischen historischen Filmeinblendungen der Aufstände, peitscht die Gefühle hoch. Viel Beifall für das engagierte TaF-Team.

Wieder am 25., 26. und 27. März, 20 Uhr, Dock 4, Halle, 20 Uhr. Karten: 0561 - 7872067, post@theater-am-fluss.de

Von Claudia v. Dehn

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