Hinter den Kulissen beim Rapunzel-Musical wird nichts dem Zufall überlassen

Die Frisur sitzt: Katja Brauneis (rechts) wird von Uta Grünwald zurechtgemacht, im Hintergrund: Kollegin Sabine Stüss. Fotos: Fischer

Kassel. Er stürmt in das grüne Zelt. Drei Frauen packen mit an, damit er sich auszieht. Aus dem Jäger Claudius Freyer muss in Sekundenschnelle ein Diener werden.

Manchmal geht es etwas hektisch zu hinter den Kulissen beim „haarsträubenden“ Musical „Rapunzel“ von Michael Fajgel, das beim Brüder-Grimm-Festival im Botanischen Garten aufgeführt wird. Freyer ist bis zur Pause der Dauerläufer. Alle paar Minuten muss sein Kostüm gewechselt werden. Da muss jeder Handgriff sitzen und jedes Kostüm parat stehen. Doch die beiden Maskenbildnerinnen Sabine Stüss und Uta Grünwald sind Profis in ihrem Geschäft. Bei ihnen geht nichts schief. Auf der Bühne heute schon. Denn die Schauspieler leisten sich einen Zahlendreher und müssen diesen bis zum Ende des Stücks durchhalten. „Sonst merkt der Zuschauer was. Das ist aber auch mal ganz schön und durchbricht die Routine“, sagt Martin Rüegg, der den König Edelhard spielt. Hinter der Bühne ist eine kleine weiße Bank das Refugium der Schauspieler. Die Gesprächsthemen sind Pathos, Nippon-Schokolade und Anmachsprüche.

Die Pausen nutzen die Darsteller, um zu entspannen. Einige gehen noch einmal ihren Text durch. Was auffällt: Die Lieder werden hinter den Kulissen mitgesungen. Die Schauspieler sind eins mit dem Stück, das Stück ist eins mit den Schauspielern. „Jeder von uns kennt das Musical nur als Hörspiel“, erzählt Inga Jamry, die die Erzählerin spielt. In ihrem Haar stecken ein paar Glocken, die sie beim Laufen immer festhält. „Als ich die Perücke das erste Mal aufhatte, hatte ich am Abend Kopfschmerzen.“

Während es bei der Vorstellung etwas hektisch zugeht, ruhen die Darsteller in der Maske vor dem Auftritt in sich selbst. Zum Beispiel Katja Brauneis alias Fräulein von Haarenschneid. „Das ist immer sehr entspannend“, sagt sie. Vor allem die skurrile Weihnachtsbeleuchtung mit dem Tannengrün an den rustikalen Holzhütten hat es ihr angetan. „Wir haben den ganzen Sommer über Weihnachten“, sagt sie und lacht.

Martin Rüegg braucht noch etwas in der Maske. Er bekommt eine ordentliche Handvoll Gel ins Haar geklatscht. Die Frisur sitzt, Zeit für einen kleinen Plausch. Die Atmosphäre ist fast familiär. Das Ensemble unternimmt viel privat miteinander, nach der Vorstellung heute geht es in die Stadt. Darüber und über andere Erlebnisse wird Buch geführt. Zum Beispiel gibt es eine Rangliste, wer die meisten Schuhe zerstört hat. Es führt Harmine alias Christina van Leyen mit anderthalb Paar.

In der zwanzigminütigen Pause taucht Claudius Freyer wieder auf. Er muss sich im zweiten Durchgang nicht mehr oft umziehen. Für ihn gibt es nur noch einen letzten Sprint: zum Kaffee. Schauspieler trinken viel Kaffee. Dann ertönt schon wieder der Gong und die 20. Vorstellung des Musicals geht weiter.

• Das Stück läuft noch bis zum 12. August: mittwochs bis freitags, 19.30 Uhr, sowie samstags und sonntags 16 und 19.30 Uhr. Botanischer Garten, Bosestraße 13. www.brueder-grimm-festival.com

Von Daniel Schneider

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