Neu im Kino: In „Bel Ami“ nimmt man Robert Pattinson den charismatischen Karrieristen nicht ab

Ein ruchloser Emporkömmling

Ein Beau macht sich an wohlhabende und einflussreiche Frauen ran: Auch Clotilde (Christina Ricci) kann den Avancen von Georges Duroy (Robert Pattinson) nicht widerstehen. Foto:  dpa

Halten Sie sich an die Frauen der wichtigen Männer“, empfiehlt Madame Madeleine Forestier (Uma Thurman) dem jungen Georges Duroy (Robert Pattinson), der sich daranmacht, im neuen Frack die Pariser Gesellschaft des Jahres 1890 zu erobern. Eine Stelle als Journalist bei einer angesehenen Tageszeitung ist bald gefunden.

Von Politik hat Georges zwar keine Ahnung, und auch seine schriftstellerischen Fähigkeiten sind bescheiden, aber die Ausformulierung der wöchentlichen Kolumne übernimmt ohnehin Madame Forestier, die ihrem Redakteursgatten schon seit Jahren intellektuell unter die Arme greift.

Mag sein, dass den Frauen in der Gesellschaft der boomenden Metropole vornehmlich dekorative Funktionen zugewiesen werden. Aber hinter den Kulissen haben einige der Damen die Zügel der Macht fest in der Hand. Während sich die platonische Beziehung zwischen George und Madeleine allmählich ausweitet, vergnügt sich der Beau mit der nicht nur finanziell recht freigiebigen Clotilde (Christina Ricci) und macht sich schließlich auch an die Frau des Verlegers (Kristin Scott Thomas) heran.

Mit der Figur des ruchlosen Aufsteigers George Duroy hat Guy de Maupassant in seinem Roman „Bel Ami“ eine zeitlose Figur geschaffen, die immer wieder zu Verfilmungen eingeladen hat. In der Adaption der beiden britischen Theaterregisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod spielt nun Teenie-Star Robert Pattinson die Rolle des Karrieristen, der sich durch die Betten einflussreicher Frauen schläft. Aber wie schon zuvor in „Wasser für die Elefanten“ neigt Pattinson auch hier zu mimischer Überperformance und findet für die Rolle nicht die notwendigen subtilen Zwischentöne.

Donnellan und Ormerod haben gut daran getan, die weiblichen Charaktere stärker auszuformulieren. Vor allem Uma Thurman gibt eine überzeugende Vorstellung als emanzipierte Frau, die sich hinter den patriarchalen Kulissen eine solide Machtposition aufgebaut hat.

Blasser Schönling

Aber warum all diese selbstbewussten Damen reihenweise diesem uncharismatischen Emporkömmling verfallen, will sich einfach nicht erschließen. Durch diese Dysfunktionalität bröckelt der interessanten Geschichte gewaltig das Fundament weg. Am deutlichsten wird das Dilemma, wenn Kristin Scott Thomas das Herz ihrer verzweifelten Figur an den blassen Schönling verschenken muss - und trotz aller unterwürfigen Bemühungen immer noch so aussieht, als könnte sie dieses Kerlchen zum Frühstück essen.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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