Grimm’sche Sagen in einer Schau in Eschwege

Wie ein Comic: Thomas Butler-Stoneys Illustration aus dem Jahr 1906. Foto: De Filippo

Eschwege. Die Märchensammlung von Wilhelm und Jacob Grimm steht wahrscheinlich in fast jedem deutschen Bücherregal. Weniger bekannt ist hingegen die Sammlung deutscher Sagen, die die Brüder 1816 und 1818 in zwei Bänden herausgaben.

585 überlieferte Geschichten trugen sie zusammen. Viel Stoff für ein Buch - und jede Menge Stoff für eine Ausstellung. In der Eschweger Volkshochschule sind derzeit Illustrationen aus zwei Jahrhunderten zu sehen.

Der Schauplatz für die Ausstellung, die Teil des Kultursommers Nordhessen ist und in Zusammenarbeit mit der Brüder-Grimm-Gesellschaft organisiert wurde, ist ideal. Denn mitten im Werra-Meißner-Kreis hat die Sage um Frau Holle ihren Ursprung. Auf dem Grund des Hollenteichs in der Nähe des Hohen Meißners soll sie ihr Reich haben. Da liegt es nahe, dass Frau Holle auch in der Ausstellung eine zentrale Rolle spielt.

Schon im Foyer werden die Besucher von einem Foto der Frau-Holle-Statue des Künstlers Viktor Donhausers empfangen, und im Obergeschoss setzt sich die Reise in die Welt der Sagengestalt fort. Interessant ist die Gegenüberstellung verschiedener Illustrationen. Carl Nebel stellte 1894 in seinen Zeichnungen Gold- und Pechmarie und damit den Moment von Belohnung und Bestrafung in den Mittelpunkt. Für eine Ausgabe von 1930 illustrierte Fritz Kunz die Sage mit einer Bilderserie im Jugendstil. In seinen Zeichnungen ist Frau Holle eine hexenhafte, mystische Gestalt.

Die Varianten der Illustration sind auch bei anderen bekannten Sagen interessant. Die Schau zeigt zum Beispiel einige Zeichnungen des Berggeistes Rübezahl - vom volkstümlichen Bärtigen (Rolf Winkler, 1929) bis zum gekrönten, zeushaften Gott (Carl Ofterdinger, 1905). Wie ein Comic wirkt Thomas Butler-Stoneys Illustration (1906) zur Sage „Der Rattenfänger von Hameln“. Die Mimik der Figuren ist lebendig, der Betrachter entdeckt in den farbenfrohen Zeichnungen immer neue Details.

Neben zahlreichen Original-Ausgaben der Sagensammlung bietet die Ausstellung viele Informationen zu Quellen und zur Arbeitsweise der Brüder Grimm - übersichtlich und angenehm portioniert.

Bis Mitte September, Volkshochschule Eschwege, Vor dem Berge 1, Mo-Mi 8 bis 16, Do 8- 18, Fr 8 bis 13 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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