„Mu.Zz.Le“ eine überzeugende CD gemacht

Neue CD von Gonjasufi: Die Rückkehr des Kauzes

Yogapose: Gonjasufi trägt Dreadlocks und Zwirbelbart und sitzt im Meditationssitz. Foto:  nh

Einst schrieb ein Musikkritiker, der Gesang Gonjasufis habe etwas Bedrohliches, erinnere gar an eine „kiffende Fleischfresserpflanze“. Jetzt hat Gonjasufi ein neues Album rausgebracht, und man freut sich trotz der durchaus stimmigen brutalen Assoziation.

Sumach Ecks, so der richtige Name des 1978 geborenen Musikers, ist ein seltsamer Vogel. Er lebt in der Mojave-Wüste, nicht weit von Las Vegas, einer der bizarrsten Städte der Welt. Er arbeitet als Yogalehrer, was man kaum zusammenbringen mag mit der irritierend wütenden Ausstrahlung, die von diesem drahtig-muskulösen, Dreadlocks tragenden Menschen ausgeht. Oder doch? Seine Wut sei eine Reaktion auf die Ungerechtigkeiten der Welt, sagt Gonjasufi. Er muss es wissen: Gonjasufi ist halb Mexikaner, halb Äthiopier. Und er ist viel gereist.

Kosmischer Trip

Als das Debüt „A Sufi and a Killer“ vor zwei Jahren erschien, jubelte die britische Tageszeitung „The Guardian“: „Anwärter für das Album des Jahres - ein kosmischer Headtrip, der sich anhört, als ob Screamin’ Jay Hawkins M.I.A. covert, remixt von Portis-head.“ Da war was dran.

Bezogen auf „Mu.Zz.Le“, das zweite Album Gonjasufis, trägt der Vergleich mit Portishead am weitesten. Irgendwo in den verzerrten und blubbernden Sounds, deren rhythmisches Gerüst aus fantasievoll gedrechselten Down-beats, hübsch rappelnder und zischelnder Percussion besteht, steckt eine große Portion Traurigkeit. Eine Untröstlichkeit, die an Portisheads Album „Dummy“ erinnert.

Es sind wohl die langsamen Beats, die aus Muttererde zu kommen scheinen. Und sicherlich die dunklen, leicht melodramatischen Rhodes-Piano-Akkorde. Außerdem hat Gonjasufis ausgefranste, heisere Gesangsstimme tatsächlich die Qualitäten eines verschrobenen Trips mit melancholischem Ausklang.

Ausdrucksstark

Die Texte handeln von Meinungsfreiheit und von staatlicher Unterdrückung. Von Arm und Reich. „Mu.Zz.Le“ ist ein eminent politisches Album.

Die neuen Stücke sind Fragmente, die dramaturgisch klug ineinanderfließen, beinahe so wie die Tracks eines DJ-Sets. Es gibt also fast keine Pausen.

Weil alle zehn Stücke Teile eines Ganzen sind, fällt ihre Kürze nicht weiter ins Gewicht. Gonjasufi - ein komischer Kauz? Wahrscheinlich. Aber die Antwort ist einfach nicht mehr wichtig in Anbetracht dieses ausdrucksstarken, zu gleichen Anteilen traditionsbewussten und eigensinnigen Albums.

Gonjasufi: Mu.Zz.Le (Warp / RTD). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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