Rückkehr der Kürbisse: Die neue CD der Smashing Pumpkins

Die Smashing Pumpkins waren einmal die Lieblingsband unseres Autors - bis sie zu einem Witz wurden. Nun klingt die US-Alternative-Rock-Band wieder fast wie 1993. Eine Liebeserklärung.

Bevor ich das erste Mal einen Song der Smashing Pumpkins hörte, dachte ich, Nirvana seien die beste Band der Welt. Es war Anfang der 90er, das Grunge-Trio aus Seattle hatte gerade die bis heute letzte Rock-Revolution losgetreten, da sagte ein Freund, Kurt Cobain sei nur ein Poser, und drückte mir „Gish“ in die Hand - das Debütalbum der Smashing Pumpkins. Seitdem begleitete mich die wütende Melancholie der Alternative-Rock-Band aus Chicago und der näselnde Gesang von Frontmann Billy Corgan. Gerade ist ihr achtes Studio-Album erschienen.

Die Smashing Pumpkins, was man als „zerschmetterte“ oder „hinreißende Kürbisse“ übersetzen kann, haben Musik-Geschichte geschrieben. Als Corgan die Band 1988 gründete, gaben Hairspray-Metal-Bands den Ton an. Bei Guns’n’Roses trugen die Mitglieder toupierte Haare und umgaben sich mit nackten Frauen. Die Smashing Pumkpins brachten die Ernsthaftigkeit in den Rock zurück und verkauften 30 Millionen Platten.

Trotzdem wurde mir die Band irgendwann egal. Nach der Auflösung 2000 hatte Corgan sechs Jahre später eine Zeitungsanzeige aufgegeben: „Ich will meine Band zurück. Ich will meine Träume zurück.“ Mit seinen Ex-Kollegen war der eigenwillige Glatzkopf jedoch zerstritten, Live-Keyboarder Jonathan Melvoin war bereits 1996 an Heroin gestorben. Und musikalisch wurde die Wiedervereinigung zum Albtraum. Die überproduzierten Alben „Zeitgeist“ (2007) und „Oceania“ (2012) sind praktisch unhörbar. Es bricht einem das Herz, wenn man die Lieblingsband verliert - so wie eine Freundin, mit der man sich auseinandergelebt hat.

Doch 2014 hört sich plötzlich wie 1993 an. Auf „Monuments Of An Elegy“ spielt Corgan (47) wieder brachiale Gitarrenriffs und singt zu eingängigen Synthesizer-Melodien über den Weltschmerz. Ich liebe diese Band wieder. Das Beste ist, dass Songs wie „Being Beige“ und „One At All“ trotz aller Härte so zerbrechlich klingen, dass man sie auch als Einschlafmusik im Kinderzimmer laufen lassen könnte.

Das schafft keine andere jener Bands, die die Pumpkins zum Vorbild haben und deren Songs heute in der Fußballpause die Werbe-Clips untermalen. An solch ein Comeback hatte niemand mehr geglaubt. Ex-Schlagzeuger Jimmy Chamberlain leitet eine Technologie-Firma. Stattdessen gibt Tommy Lee den Takt an, bekannt als Drummer der Glam-Metal-Band Mötley Crüe und Ex-Ehemann von Schauspielerin Pamela Anderson. „Wenn wir zusammen Musik machen, spielen wir, als wollten wir die Welt vernichten“, sagt Corgan.

Das wird ihnen hoffentlich nicht gelingen, denn schon im Herbst 2015 soll ihr nächstes Album erscheinen. Ich freue mich.

Smashing Pumpkins: Monuments Of An Elegy (BMG/Rough Trade). Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Person:

Name: Billy Corgan

Geboren: am 17. März 1967 in Chicago (Illinois).

Musikalische Karriere: Sang zunächst in der Band The Marked, deren Name sich auf Corgans Muttermal am linken Arm bezog. 1988 gründete er mit James Iha (Gitarre), D’arcy Wretzky (Bass) und Jimmy Chamberlin (Schlagzeug) die Smashing Pumpkins. Alben wie „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ (1995) gelten heute als Klassiker. Nach der zwischenzeitlichen Auflösung gründete Corgan die Band Zwan.

Privates: Wurde in seinem Elternhaus misshandelt, worüber er den Song „Disarm“ („Entwaffnen“) schrieb. Der Wrestling-Fan war unter anderem mit Sängerin Jessica Simpson zusammen.

Von Matthias Lohr

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