Linkin Park legen mit „Living Things“ ein Album vor, das sich nicht entscheiden kann

Rückzug auf Bewährtes

Bewährtes Team: Joe Hahn (von links), Mike Shinoda, Brad Delson, Chester Bennington, Rob Bourdon und Dave „Phoenix“ Farrell rocken seit 1998 gemeinsam als „Linkin Park“. Foto: Warner Music

Gute Nachrichten für die Rockliebhaber unter den Linkin-Park-Fans: Gitarren und Schlagzeug sind zurück. Zwei Jahre nach dem experimentellen Konzeptalbum „A Thousand Suns“ legen die Musiker aus Kalifornien ihr neues Album „Living Things“ vor. Laut Plattenfirma soll es alle Phasen ihrer Karriere kreativ zusammenführen – und doch klingt es leider stellenweise eher wie ein Rückzug auf bewährtes Terrain.

Für alle, die beim elektrolastigen Vorgänger Bauchschmerzen hatten, gibt es wieder gewohnte Klänge: Leadsänger Chester Bennington schreit, Mike Shinoda rappt, es gibt dicke Gitarren, harte Bässe, Songs zum Mitgrölen („I’ll be Gone“, „Victimized“) und ruhigere Stücke mit Klavierbegleitung („Roads Untravelled“).

Die Elektro-Schiene, die die Band so ausführlich ausprobiert hat, ist weiterhin sehr präsent. Sie wird in gitarrenlastigen Stücken mit sanften Piano-Klängen gemischt, was teilweise funktioniert („Lost in the Echo“), mitunter aber einen haarsträubenden Sound produziert, der weder Fisch noch Fleisch ist. Schlimmstes Beispiel: „Skin to Bone“.

Ergebnis des wilden Stilmixes: „Living Things“ wirkt nicht so rund wie sein durchdachter Vorgänger, sondern klingt, als sollte mehreren Herren gedient werden – was Sänger Chester Bennington jedoch abstreitet: „Das Letzte an das wir denken, wenn wir ein neues Album aufnehmen, ist was andere Leute darüber denken“, sagte er vor einem Auftritt beim Festival „Rock im Park“ Anfang Juni. „Wer nur den einen bestimmten Sound von uns erwartet, sollte mittlerweile gemerkt haben, dass er den auf die Dauer nicht bekommen wird. Wir sind mehr als nur eine Nu-Metal-Band.“

Weniger abwechslungsreich als der Sound sind die Texte. Sie sind poetisch, aber wenig kraftvoll und authentisch. In ihnen ist wenig übrig von den rohen Emotionen, die Linkin Park einst zur angesagtesten Nu-Metal-Band gemacht haben. Selbst die erste Single „Burn It Down“, derzeit ZDF-EM-Song, kommt eher weichgespült daher. Der Song stehe für Beziehungen, aber auch für das Leben der Bandmitglieder als Prominente, erklärt Bennington. „Manche Leute bauen dich auf, andere reißen dich wieder runter. Das können wir nicht ändern, wir lachen darüber.“

Bennington findet das neue Album „really fucking awesome“, also „verdammt großartig. Das muss er auch sagen, damit sich die mit 37 Minuten Laufzeit recht kurze Platte gut verkauft. Immerhin: Viele Fans hatten sie bereits vorbestellt. Ihnen spendierte Linkin Park einen kostenlosen Remix pro Monat. Hoffentlich packen sie auch musikalisch bald wieder eine Schippe drauf.

Linkin Park: „Living Things“ (Warner), Wertung: !!!::

Von Friederike Szamborzki

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